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Da bin ich wieder und wie versprochen: hier folgt ein Überblick über meine „einsamen“ zwei Wochen in Bijsk, so ganz ohne Jana... aber dafür mit einer wunderbaren Geste ihrerseits! Es war Freitagabend und Jana würde jede Minute zum Bahnhof aufbrechen, um mit dem Zug nach Novosibirsk, und damit zu Niko, zu fahren! Das Ticket hatten wir bereits einige Tage zuvor am Bahnhof erstanden und dabei den ersten wirklich brauchbaren Souvenirladen entdeckt, allerdings war er geschlossen und Postkarten gab es auch keine (es war im Prinzip nur ein gläserner Stand, man konnte also von außen das gesamte Angebot überblicken). Jetzt jedenfalls hatte ich mich entschieden, Jana zum Bahnhof zu begleiten. Die Aufregung war bereits groß, doch nicht etwa wegen der Reise an sich, NEIN, Jana hatte ihren Reisepass noch nicht zurück und den brauchte sie für die Reise! Unsere liebe Valja hatte sich am Vormittag auf den Weg nach Barnaul gemacht, um sich um unsere Visaverlängerung zu kümmern... und sie war immer noch nicht zurück. Nun hatte sie vorgeschlagen, sich am Bahnhof zu treffen und dort den Pass zu überreichen, also Spannung bis zur letzten Minute! Freundlicherweise hatte ich Herr Zajakin bereit erklärt uns zum Bahnhof zu fahren, seine Frau würde den selben Zug wie Jana nehmen, wie praktisch. Der Abschied war nicht sonderlich emotional, sollte ja auch nur für zwei Wochen sein und Valentina war auch pünktlich am Bahnhof und wartete schon mit den Pässen auf uns als wir ankamen (meinen bekam ich auch gleich wieder). Letztlich fuhr Herr Zajakin erst Valentina, dann mich, nach Hause... bei jedem einzelnen riesigen Schlagloch, welches wir unsanft durchfuhren, kam mir unwillkürlich Pauls gequälter Gesichtsausdruck in den Kopf – das hier wäre der Hass für ihn! Aber in Russland stört es niemanden! Es gehört zum Alltag, wie in Deutschland der Flaschenpfand. Andere Länder, andere Sitten.

Schon kommen wir also zu Janas netter Geste, sie hatte mir ihren Zimmerschlüssel überlassen (schließlich stand der Kühlschrank ja bei ihr im Zimmer) und ihren Computer nicht mit auf Reisen nehmen wollen, also hatte ich freie Verfügungsgewalt. WOW! Endlich... *lacht mich jetzt bloss nicht aus* konnte ich die neuen Folgen von Greys Anatomy schauen, die gerade in Deutschland angelaufen waren! Ja, ich bin süchtig. Und – ganz ehrlich – die kommenden zwei Wochen entwickelten sich zu einem regelrechten Serien- und Filmmarathon! Als allererstes natürlich die gesamte neue Staffel von Greys, dann noch einmal die Finalstaffel von HIMYM, die aktuellen Folgen von Big Bang und sogar Doktor Who habe ich begonnen zu schauen. Dazu kamen sämtliche Harry Potter Filme auf Englisch, die Fluch der Karibik Reihe und RED 1 und 2 (um nur mal eine Auswahl zu nennen)... Fragt euch also bitte nicht, wenn der Text, obwohl er ganze zwei Wochen umfasst, gar nicht so lang wird! Ich war ein bisschen neben der Spur und Janas Computer mein neuer bester Freund!

Das Jana weg war, bemerkte ich besonders schmerzlich bei meinem ersten Toilettenbesuch ^^ die Lampe im Bad (ohne Fenster!) funktionierte nicht, weswegen wir immer eine Taschenlampe an der Tür hängen hatten, um wenigstens ein bisschen was zu sehen. Eben diese Taschenlampe war nun aber verschwunden, oh Schreck! Eine kleine Vorwarnung wäre wirklich ganz nett gewesen, liebe Jana !

Ich ging natürlich (fast) immer – einmal habe ich geschwänzt, aber mir war auch wirklich nicht so gut – zur Uni. Es war schon merkwürdig zwischen all den Chinesen und Mongolen und meine Lieblings-Gesprächspartnerin (innerhalb und außerhalb der Stunde) fehlte. Ich kann mich auch kaum erinnern, was wir eigentlich in Russisch gemacht haben die ganze Zeit. Der Unterricht ist insgesamt wirklich nicht soooo hilfreich, die „wirkliche“ Kommunikation außerhalb der Uni sind wichtig und nützlich für uns! Natürlich besuchte ich weiter den Deutschunterricht und wurde gleich in den nächsten Kurs eingeladen, auch im ersten Studienjahr, zu ein paar Psychologiestudentinnen, die nebenher Deutsch studieren (warum, weiß ich eigentlich auch nicht so genau?!). Die waren wieder alle ziemlich begeistert und wirklich fragewütig, als ich mich ihnen vorstellte und um Fragen bat. Wir haben fast die Hälfte der Stunde einfach verquatscht und es war wirklich erfrischend, dass sie so interessiert waren – von den anderen Kursen ist man bei der Frage nach Fragen eher gesenkte Blicke und gelegentliches Kopfschütteln gewohnt. Bloss keine Fragen stellen!).

Ganz begeistert luden die Mädels mich schließlich zu einem kleinen Fest ein, ihre Begrüßungsparty an der Uni sozusagen... das Pendant zur feierlichen Immatrikulation, nur eben nicht offiziell und von den Studenten selbst gestaltet. Richtig witzig! Dankend nahm ich das Angebot an, einen Nachmittag unter Leuten verbringen klang doch ganz abwechslungsreich. Zufälligerweise sollte die Veranstaltung noch am gleichen Tag stattfinden, also fand ich mich am Nachmittag in der Aula ein und wie versprochen, hatten die Mädels für mich einen Platz in ihrer Mitte – und in der ersten Reihe! - freigehalten. (Als alle Neuen auf die Bühne mussten, um einen Schwur zu leisten, saß ich letztlich ganz allein in der ersten Reihe... schon ein wenig peinlich.) Das Programm war kunterbunt. Gesang und Tanz, einige Dozenten sagten kurz einige Worte, Videoaufnahmen von der „Sommerschule“ wurden eingespielt und einige Sketche auf die Bühne gebracht. Den Witzen konnte ich leider nicht komplett folgen, aber sonst verstand ich verhältnismäßig viel, ein gutes Gefühl! Nach dem fast 1,5stünigen Programm fragten die Mädels ganz gespannt, ob es mir denn gefallen hätte und ob ich alles verstanden hätte. Natürlich hatte es mir gefallen, großartig und so ein krasser Kontrast zu Deutschland... und nein, ich hatte nicht alles verstanden, aber den Großteil! Strahlen. So leicht kann man die angehenden Psychologinnen also glücklich machen :D

Auf Kino oder große Shoppingtouren hatte ich allein keine Lust und auch für winterliche Wanderungen durch Bijsk fehlte mir die Motivation. Ja, immer wenn Jana unterwegs war, fing es an zu schneien. Das erste Mal also, als sie auf dem Weg zu Niko war und der Schnee blieb erstmal liegen. Wenn also schon draußen nicht aktiv werden, dann wenigstens drinnen, so lautete die neue Devise! Ein neues Projekt musste her und war schnell gefunden: einen eigenen russischen Grundwortschatz erstellen, an Hand des Buches, das Jana dabei hatte. Klingt vielleicht irre und übermotiviert, aber hey... wer will nicht mal ein „Wörterbuch“ (ich weiß, kein wirkliches Wörterbuch, aber immerhin über 180Seiten) lesen und die wichtigen Worte – natürlich handschriftlich – abschreiben?! Also machte ich mich, während im Hintergrund irgendeiner der oben genannten Filme lief, an die Arbeit. Ihr wisst gar nicht, wie viel man an einem ganzen Wochenende schaffen kann! 8 Filme, 2 Vokabelhefte, 100 Seiten Grundwortschatz! Aber HALLO Ich bin ja schon ein bisschen stolz. Und ganz im ernst: ich hatte BLASEN an den Fingern vom vielen schreiben! Richtig schmerzhaft, richtig eklig. Die ganzen Vokabeln dann auch noch lernen, war eigentlich mein Plan gewesen, aber aus der Formulierung dürft ihr schließen: daraus ist immer noch nichts geworden! Tschüss, Motivation!

In der Zwischenzeit hatte ich mich übrigens bei vk.com angemeldet – dem russischen Pendant zu Facebook – und eines Abend fragte mich Michael, ob wir nicht mal etwas zusammen unternehmen wollten. Klar, warum nicht, wieder ein Grund mal raus zu kommen. Wir verabredeten uns also für den folgenden Abend, eigentlich wollten wir nur ein Stück spazieren gehen, aber es hatte wieder mal geschneit und war fürchterlich kalt (dachte ich zu dem Zeitpunkt... heute waren übrigens -25°C, da war das vor ein paar Wochen ein Witz dagegen!) Schließlich entschieden wir uns dazu, in ein Café zu gehen.

Da ich mich ja in Bijsk noch nicht wirklich gut auskannte, holte er mich ab – mit dem Auto, ein Glück! - und fuhren also in ein Café. Endlich mal kein Mensaessen und auch nichts selbstgemachtes – da ich mich immer noch weigerte, die Küche zu betreten, lief „selbstgemacht“ zumeist auf Brot mit irgendwas oder Obst und Gemüse hinaus – sondern mal was „richtiges“. Warum ich mir ausgerechnet einen Salat bestellte... ich steh einfach auf den Cäsar Salat hier :D Dank der Unfähigkeit des Kellners – nichts für ungut, aber der war wirklich UNFÄHIG – waren wir ganze zwei Stunden unterwegs. Erst bekamen wir keine Karte, als Mika welche geholt hatte, kam einfach ewig niemand, um die Bestellung entgegen zu nehmen, das Essen dauerte natürlich auch und die Rechnung wollte man uns auch nach mehrmaligem Nachfragen einfach nicht bringen. So unterhielten wir uns – fast ohne peinliche Gesprächspausen – über dies und das, mal auf Russisch, aber überwiegend auf Deutsch. (Das hört sich im Nachhinein schon ein bisschen nach Date an, aber keine Angst, es war keins! Wirklich! Auch wenn der bezahlt hat, so macht man das eben in Russland! Das ist höflich. Und Widerworte werden einfach überhört. Der Mann zahlt. Punkt. Jedenfalls hat Michael eine Freundin und ich hab Paul und es lag auch kein bisschen Romantik oder so in der Luft, es war einfach nur ein nettes, manchmal peinliches (wegen Missverständnissen und Sprachschwierigkeiten) Gespräch zwischen zwei Menschen.) Nett und höflich, wie der russische junge Mann nun mal ist, fuhr Mika mich auch zurück zum Wohnheim... und ich schwöre euch: zum Glück erzählte er mir erst jetzt, dass er noch KEINE Winterreifen aufgezogen hatte. Ich wäre niemals in sein Auto gestiegen, hätte ich das eher geahnt. Echt nicht böse gemeint, ich habe ja schon erwähnt, er kann Auto fahren, aber Sicherheit geht eben vor. Und es war wirklich schon glatt draußen, kein Vergleich zu jetzt, aber eben glatt!

Ja, eigentlich war es das auch schon – langweilig, ich weiß – Uni, Filme gucken (ich kenne mich mit streamen jetzt schon fast aus xD), einen Grundwortschatz abschreiben/ erstellen und ein paar nette Veranstaltungen außerhalb der Uni... so habe ich die zwei Wochen verbracht. Mehr war nicht, bzw. an mehr kann ich mich gerade nicht erinnern, aber mehr war auch nicht nötig. Vom letzten Wochenende schaffe ich es leider heute nicht mehr zu erzählen. Es ist gerade Mitternacht und ich muss unbedingt noch ein paar Seiten lesen! Gone Girl, hatte ich das schon erwähnt? Ich habe mir inzwischen das Buch zum Film besorgt, um alles ein bisschen besser verstehen zu können. Es ist absurd, obwohl ich den Film und damit ja das Ende kenne, bin ich mega gespannt, wie es weitergeht. Also freut euch schon mal auf morgen, auch wenn ich noch nicht sicher bin, ob ich von der Zeit, die Niko hier verbracht hat, oder eben vom letzten Super-Wochenende schreiben werde... lasst euch überraschen! Einen wunderschönen Abend noch und gute Nacht.

Fühlt euch wie immer ganz lieb gedrückt und пока,
eure Anna

25.11.14 19:08

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