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Das Ende vom Anfang - die restliche erste Woche ;)

Nach einem kleinen krankheitsbedingten Päuschen gestern, melde ich mich heute mit einem FROSTIGEN HALLO zurück! Schneegestöber, zweistellige Minusgrade und stockdunkel, genau die richtige Zeit, um ein paar Gedanken zu Papier zu bringen. Heute soll es wieder um meine erste Woche in Bijsk gehen. Genauer gesagt: um eine Zusammenfassung, denn so viel ist in der ersten Woche eigentlich gar nicht mehr passiert. Von meiner ersten Begegnung mit Stadt und Uni habe ich euch ja bereits berichtet...

An meinem zweiten Tag an der Uni erfuhr ich glücklicherweise, dass der Stundenplan, wie er in dieser Woche war, gar nicht unser normaler Plan sein sollte. Denn anstatt jeden Tag zwei Veranstaltungen (á 90min) bei V.V. zu haben, war die Zeit normalerweise geteilt, 5 Stunden bei V.V. und die restlichen 5 Stunden bei Ekaterina (da wäre auch schon die Erläuterung, warum DozentIN)... dir war nur eben in dieser Woche nicht zugegen. Pech gehabt. Auch die Zeiten sollten sich jedoch mit ihrer Rückkehr ändern. Anstatt wie bei V.V. jeden Morgen um 9Uhr zu beginnen, legte sie ihre Unterrichtseinheiten offensichtlich lieber auf nach dem Mittag von 12.35-15.45Uhr. Was nun das größere Übel ist – gleich morgens fit in der Uni stehen zu müssen, oder nicht mehr wirklich was vom Tag zu haben, weil die Uni so lang geht (es wird ja schließlich verdammt zeitig dunkel) – darüber lässt sich streiten. Belassen wir es einfach dabei, dass die positive Nachricht über eine zweite Dozentin alles andere übertrifft! Und noch eine Neuigkeit bezüglich unseres Unterrichts gab es gleich in meiner ersten Woche: bereits in der kommenden Woche sollten 3 weitere Studentinnen aus der Mongolei zu uns und unserem Kurs stoßen. Na, das konnte ja noch lustig werden (wurde es auch... mehr oder weniger zumindest). Wie der Unterricht aussah? Ratet doch mal... Zungenbrecher! Und Diskussionen! Ich hatte ja bereits die „zum Teil veralteten“ Ansichten V.V.s erwähnt, es lohnt sich, darauf noch einmal genauer einzugehen!

Frauen gehören nach Hause, genauer in die Küche, noch genauer hinter den Herd natürlich. Verdienen muss der Mann. Wenn der Mann abends von der Arbeit heim kommt, muss das Essen fertig sein, wenn nicht muss es sogleich bereitet werden. Beschweren darf frau sich darüber nicht. Frauen haben keine große akademische Zukunft, eigentlich verschwendete Mühe sie zu unterrichten. Die Deutschen haben keine Ahnung von Lyrik, Gedichte sind ein Fremdwort für sie. Gott ist allmächtig. Jeder muss das einsehen. Gott bestimmt über uns und unsere Zukunft. Und am aller wichtigsten (auch wenn es eigentlich erst etwas später passiert ist, aber es ist einfach zu gut, um noch länger vorenthalten zu werden) BÄUME SIND GUTE CHRISTEN! Fragen? Nein, alles klar... so ging es uns auch :D Jetzt könnt ihr euch sicher schon etwas besser vorstellen, warum das ein oder andere Diskussionspotenzial in unseren Russischstunden enthalten war und natürlich musste es dann auch ausdiskutiert werden. Im Unterricht. Und später noch einmal zwischen Jana und mir im Wohnheim. Manchmal auch mit Papa am Abend über Skype. Aber ich möchte euch nicht länger auf die Folter spannen, warum Bäume nun gute Christen sind. Ihr seid ja sicher schon selbst darauf gekommen, oder? Wenn nicht, gut! Bäume geben alles... sie geben uns Luft zum Atmen, sie geben uns Holz, sie spenden uns Schatten oder dienen als Schutz vor Regen. So muss ein guter Christ sein! Ergebnis bei der erneuten Analyse mit Papa: Kokospalmen sind die ALLERBESTEN Christen! Von ihnen kann man wirklich ALLES verwenden/ gebrauchen! Drum lasst uns nun alle nach draußen gehen, Wurzeln schlagen und gute Christen (ähm, Palmen) werden!

Genug der Absurditäten unseres Russischunterrichts. Auch bei Jana gab es Neuigkeiten. In eineinhalb Wochen würde ihr Freund anreisen. - Schön, dass ich es noch vor ihm hierher geschafft habe! Wenn auch nur knapp. - Was supertolle Nachrichten für die Eine, das sind bad news für die Andere, also mich, denn die beiden hatten geplant erst einmal 2 Wochen die Gegend zu erkunden, dann würde ich also allein meine Zeit totschlagen müssen. Aber bis dahin waren es ja zum Glück noch ein paar Tage, die es zu nutzen galt. So zeigte mir Jana beispielsweise ein recht schönes Einkaufszentrum samt Kino, also schauten wir uns „Gone Girl“ - natürlich auf russisch - an! Kennt ihr den Film? Ich fürchte ja, der ist so schon nicht ganz einfach zu verstehen... und wenn man ihn dann auch noch auf einer anderen Sprache schaut, die man bei weitem noch nicht zur Perfektion beherrscht, dann ist Chaos im Kopf vorprogrammiert. Ein Psychiater wäre nicht schlecht gewesen nach dem Film. Aber wir bilden uns weiter! Russische Filme gucken ist dafür eine gute Methode und ganz ehrlich... 3 Euro für ein Kinoticket!!! Wir können hier jede Woche gehen und bezahlen am Ende im Monat so viel, wie ihr, wenn ihr einmal geht :P Ratet mal, wo wir uns noch öfter aufhalten werden?!?

Das Einkaufszentrum hatte aber noch einen anderen Nutzen als nur das Kino, denn wir hatten schon eine beachtliche Einkaufsliste erstellt. Stiefel und Mantel für Anna mussten her, ein Mantel auch für Jana, ein Bikini, für jede ein hübsches Kleidchen (als Erinnerungsstück an unser Auslandssemester) und was man noch so schickes findet :D Also ging die Suche los... Alle die, die schon einmal mit mir Schuhe kaufen waren, wissen, dass das keine einfach Aufgabe ist – es hat, um es mal Vorweg zu nehmen, auch dieses Mal nur 5 Wochen gedauert – , aber frohen Mutes machten wir uns an diese Aufgabe. Vorerst erfolglos! Außer das ich mich bereits in der ersten Woche in ein Kleid verliebte... dabei ist das doch genau das Stück, was wir erst am Ende, zum Abschied, kaufen wollten! Dunkelblau und langärmlig, bis kurz übers Knie, von vorn ganz schlicht, nur von einer kleinen Blume geschmückt, aber dafür mit wunderschönem Spitzen-Rücken und ein paar Glitzerakzenten... EIN TRAUM! Von Stiefeln, Mänteln etc. war jedoch weit und breit keine Spur. Ohne auch nur einen Rubel (für Kleidung) ausgegeben zu haben, ging es also nach dem Kino zurück ins Wohnheim.

Am Wochenende zeigte sich das erste Mal, wie ungemütlich der Herbst hier wirklich sein konnte. Durchweg ekliger Nieselregen und furchtbarer Wind... kein Wetter für draußen also! Aber sagt das mal Jana, unserem Nordlicht – offensichtlich traf das Wetter nämlich genau ihren Geschmack und als sie fragte, ob ich mit raus kommen würde, konnte ich einfach nicht nein sagen. Das gesamte Wochenende drinnen sitzen wäre einfach zu langweilig geworden und außerdem wollte ich gern noch ein bisschen was sehen... aber wohin? Wo könnte man den gut und gern hingehen, wenn so ein Mistwetter ist? Die „perfekte“ Idee, die natürlich auch gleich umgesetzt werden musste: steigen wir doch auf den „Hügel“, um uns Bijsk mal von oben anzugucken... Ähm, ja, warum nicht?! (Vielleicht wegen dem Wind! Oder dem Regen! Oder weil ich nur Turnschuhe mit hatte! Oder, oder, oder...) Voller Motivation machte sich Jana auf den Weg, völlig unmotiviert trottete ich hinter ihr her und versuchte Schritt zu halten. Etwa eine Stunde und ewig viel Matsch und Müll, kalte Hände und Füße inklusive, später, waren wir endlich angekommen und hätten – zugegebenermaßen – einen wirklich schönen Blick über die Stadt gehabt, wäre es nicht so verdammt trübe gewesen.


Wirklich lange haben wir es da oben dann auch nicht ausgehalten, denn der Wind wurde nicht unbedingt weniger Also auf, den gleichen Weg zurück, noch einmal an der „natürlichen Müllhalte“ vorbei und bloß nicht ausrutschen in all dem Schlamm! Nach diesem netten Ausflug, der immerhin fast 2,5h in Anspruch genommen hatte, besuchte ich, in erster Linie, um mich aufzuwärmen, aber auch aus inzwischen größer gewordenem Hunger, die Mensa und gönnte mir eine heiße Suppe und Nudeln mit Huhn.

Das ich nach der ganzen Nummer nicht krank geworden bin... wundert mich immer noch :D War doch ein krönender Abschluss für meine erste Woche hier, oder was denkt ihr? Und damit verabschiede ich ich auch erst einmal wieder und mache mir eine Wärmflasche. Bis morgen, fühlt euch gedrückt und ein noch frostigeres пока,

eure Anna

19.11.14 18:01

Letzte Einträge: Von Büchern, Filmen, Musik und Diktaten, Entschuldigung! , Fortsetzung folgt :), Eine zweite Chance für Barnaul

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Susiii (19.11.14 23:50)
Huhu Anna!
Also euer Dozent ist ja wirklich ein Herzl! Die Erklärung zu den Bäumen, als den perfekten Christ finde ich ja allerliebst! =D
Was sind denn deine Pläne für die 2 Wochen, wenn du auf dich allein gestellt bist?
Lernst du im Kino viel dazu? Und in der Uni? Redest du mit Jana viel Deutsch?
Achja, dieses Bergsteigen...ich fühle mit dir!


Anna (25.11.14 19:13)
Übrigens, meine Liebe: hier hast du die beiden Wochen beschrieben … im Kino lernt man schon ein bisschen was, aber es ist schwierig, wir hören uns langsam rein, nehmen so viele Filme mit wie nur geht :D ist ziemlich witzig… Stammgäste im Kino sozusagen! Und leider ja, wir (also ich und Jana) reden überwiegend Deutsch, wenn auch nicht nur… aber das liegt einfach an der Bequemlichkeit. :*

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