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"Erster Schultag" und Behördenchaos - typisch Russland?!

Ich denke, es ist tatsächlich ganz gut, wenn ich ein bisschen vorarbeite, um möglichst schnell auf den neuesten Stand zu kommen. Da mich nun eh einmal die Muse geküsst hat, also gleich weiter im Text! Mein erster „Schultag“... so ganz Fehl am Platz ist dieser Ausdruck tatsächlich gar nicht, denn von Zeit zu Zeit fühlt man sich an der Uni hier wirklich eher in die eigene Schulzeit zurückversetzt, mit dem kleinen Unterschied, das eben alle russisch sprechen Dank des unglaublich langen Weges zur Uni (ca. 2min, wenn man sich Zeit lässt), ging es dementsprechend kurz vor knapp auf den Weg, fünf vor neun, 5 Minuten Zeit, um zum richtigen Raum zu gelangen. Am Eingang wartete selbstverständlich die obligatorische Wache, also durfte ich dem Wachmann ersteinmal verständlich machen, dass ich leider noch keinen Studentenausweis hätte, da ich eben erst angekommen sei (nur so am Rande, 6 Wochen später und ich habe immer noch keinen! Lohnt sie eigentlich gar nicht mehr, außer vielleicht als Andenken). Als das geschafft war, ging es vorbei an der Gaderobe – auch obligatorisch, wie ich inzwischen glaube – in die zweite deutsche, dritte russische Etage! Und da wartete er: V.V. unser Russisch-Dozent für die kommenden Wochen. Ein kleiner, bärtiger Mann Anfang 60, der mindestens 15Jahr älter wirkt und Ansichten vertritt, über die sich wunderbar streiten lässt! Dann lassen wir sind Stunde mal beginnen.

Mit uns im Raum saßen, außer V.V., noch Alexander – Sascha – und Oksana – Xsjuscha –, zwei Chinesen, deren wirkliche Namen niemand aussprechen kann oder will. Los geht’s! Zu meinem Entsetzen starteten wir mit Zungenbrechern, die kann ich ja noch nicht einmal in Deutschland leiden und jetzt hier? Auf RUSSISCH? Oh jeeehhh... und es war wirklich furchtbar! Aus dem Phonetik-Unterricht in Minsk weiß ich ja bereits, dass ich weder das harte „l“, noch das gerollte „r“ aussprechen kann... aber offenbar kann ich auch kein weiches „t“, das „y“ haut auch nicht immer hin und überhaupt! Toll, was für ein Einstieg, und dann sollten wir die Dinger auch noch auswendig lernen (um nur mal einige zu nennen):

На горе Арарат врала Варвара виноград.
[Na garé Ararát vrála Vavára vinagrád]

Карл у Клары украл кораллы, Клара у Карла украла кларинет.
[Karl u Kláry ukrál karálly, Klára u Kárla ykrála klarinét]

На дворе трава, на траве дрова, не руби дрова, на траве двора.
[Na dvaré travá, na travé dravá, ni rubi dravá, na travé dvará]

От топота копыт пыль по палy летить.
[At tópata kópit pyl´pa pálu litít´]

So, das lernt ihr jetzt erstmal auswendig und wenn ihr alles könnt, verrate ich euch vielleicht auch, was das so übersetzt heißt ^^ Guter Deal, oder?! An viel mehr kann ich mich gar nicht mehr wirklich erinnern, aber vermutlich ist auch wirklich nicht viel mehr passiert in der ersten Stunde. Die zweite Stunde haben wir gleich mal verpasst, Behördengänge! Was man nicht so alles braucht... glücklicherweise haben wir super liebe und hilfsbereite Unterstützung in Valentina gefunden. Sie arbeitet in der Uni im „Internationalen Büro“ und fuhr mit uns die einzelnen Stationen ab. Wir mussten angemeldet werden (für jeden Pflicht in Russland, der sich länger an einem Ort aufhalten will!), brauchten eine Arbeitserlaubnis (oder so?!) und wurden versichert... wir könnten also später in Russland auch Rente erhalten :D Hab ich noch etwas vergessen? Keine Ahnung. Es war einfach unglaublich viel und nervig. Wenn Valentina nicht gewesen wäre, würden wir womöglich immer noch daran verzweifeln. Aber nicht das ihr friert, das hat nicht etwa alles an diesem Tag geklappt, nein, insgesamt hat das fast 4 Wochen in Anspruch genommen, bis endlich mal alles geregelt war! Vielleicht fragen sich einige von euch, wozu das überhaupt eigentlich nötig war? Jana und ich sind nicht nur in Bijsk, um Russisch zu lernen – nein, wir unterrichten an der Uni auch Deutsch, arbeiten also als Sprachassistenten! Im Gegenzug dafür ist unsere Unterbringung im Studentenwohnheim kostenlos, aber keineswegs umsonst Wir bekommen sogar ein wenig Geld dafür, ca. 6500 Rubel (ca. 120Euro) waren wohl ehemals mal angedacht gewesen, es war bei der ersten Auszahlung dann jedoch deutlich weniger als gedacht... Warum? Weiß keiner... zumindest wir nicht! Ist ja auch egal, wir machen es ja nicht wegen des Geldes, sondern der Erfahrung wegen ^^ Nun gut, jedenfalls sind wir also von einer Behörde zur anderen gehastet und natürlich hat nichts so funktioniert, wie gedacht. Dem einen fehlte ein Dokument, der nächste brauchte noch eine Übersetzung, CHAOS! Wir hatten es aber wenigstens versucht und ich gleich mal noch ein bisschen mehr von der Stadt gesehen und Valentina ein bisschen kennengelernt. Nach dieser Pleite beschlossen wir gemeinsam zu Mittag zu essen, dafür ging es in die Uni-nahe Mensa – wie die nächsten Wochen fast jeden Tag. Auch wenn die Mensa recht klein gehalten ist, ist das Angebot doch recht umfangreich (zumindest auf den ersten Blick, denn auf den zweiten/dritten/vierten fällt auf, dass zwar eine große Auswahl besteht, diese aber dafür nicht täglich wechselt, sondern es eben jeden Tag die gleiche Auswahl gibt). Da man sich ja sonst nichts gönnt, bestand mein Mittagessen schließlich aus einem Salat (Селбдь под шубой – Hering im Pelzmantel), einer leckeren Pilzsuppe mit Smetana und Hühnchen mit Nudeln, dazu ein Apfelsaft für ingesamt etwa 3Euro! Supper lecker, echt sättigend und ziemlich günstig!

Für den Nachmittag galt es eine ganz andere Aufgabe zu bewältigen. Das Wohnheim verfügt tatsächlich über W-Lan! Aber das muss noch lange nichts heißen, wie an Janas Beispiel bewiesen werden konnte, denn bei ihr funktionierte das W-Lan nicht, weswegen ein gutes altes Kabel zum Einsatz kam, aber – siehe da – das Internet funktioniert(e)! Gemeinsam und mit Laptop bewaffnet ging es zurück in die Uni, um sich vom Fachmann helfen zu lassen und W-Lan einrichten zu lassen. Eine gefühlte halbe Stunde später war klar – das wird nichts! Prima... also auch Kabel... na gut, damit kann ich leben. Doch HALT! Wo ist denn der Anschluss für das Kabel???? GIBTS NICHT!!!!!!! Hm, kein W-Lan, kein Kabelanschluss – was dann? Zweiter Auftritt – Mischa, ihr erinnert euch? Unser Chauffeur von Barnaul ins Wohnheim. Ich hatte ja bereits angekündigt, dass er noch öfter den Retter spielen würde. Zum Beispiel in diesem Moment! Ein Internet-Stick sollte her, ist ja auch ganz praktisch, wenn man mobil ist. Ganz Gentleman-like fuhr er mit uns in die Stadt in ein größeres Einkaufszentrum, um einen passenden Laden ausfindig zu machen. Gut, das war nicht so schwer, er kannte sich ja schließlich in Bijsk aus. ABER ich kann natürlich keinen Stick kaufen, ich bin ja schließlich kein russischer Staatsbürger, das macht Sinn?!?! Letztendlich lief es natürlich darauf hinaus, dass mein Internet-Stick jetzt über Mischas Namen läuft. Knapp 18Euro habe ich für die Erstausstattung bezahlt, samt 4GB Datenvolumen, ich muss zugeben, da hab ich jetzt irgendwie keinen Vergleich... ist okay, denke ich! Nach diesem netten „Einkaufsbummel“ (wir haben wirklich NUR den Stick gekauft und nicht mal einen einzigen anderen Laden besucht) chauffierte Mischa uns zurück zum Wohnheim, quasi bis vor die Haustür! So ein netter Mensch... gut gemacht, Jana! :D

Endlich war ich wieder in der Lage Kontakt aufzunehmen ohne ständig das Handy dafür missbrauchen zu müssen. Ja, ich gebe zu, schon allein die zwei Tage ohne Internet fielen schwer... oh Gott! Aber es wäre vermutlich den meisten so gegangen (rede ich mir zumindest ein)! Aber, hätte ich nicht den Internet-Stick, könnte ich euch auch jetzt nicht auf dem Laufenden halten! Es hat also alles – wie immer – zwei Seiten. Wie ich den restlichen Abend verbracht habe? Dazu muss ich – glaube ich – nicht mehr viel sagen, ich meine, HALLO, ich hatte INTERNET! und um genau dieses nun wieder ein bisschen zu schonen, war es das jetzt erstmal! Genug zu verdauen; Zugenbrecher, Internet-Chaos, Uni-Eindrücke...

Bis dann, meine Lieben, fühlt euch wie immer lieb gedrückt. Пока,
eure Anna

16.11.14 15:37, kommentieren

Stadtrundgang und Geldprobleme (Teil 1)

Hallöchen ihr Lieben, na schon gespannt, wie es wohl weitergeht?! Dürft ihr auch... auch wenn es – zumindest jetzt erstmal – etwas voraussehbar ist, denn was macht man am ersten Tag in einer neuen Stadt, die künftig für einige Monate die eigene Heimat sein soll? Natürlich! Diese besichtigen. Mit Jana als Reiseleitung an meiner Seite, machte ich mich also auf den Weg, Bisjk zu Fuß etwas zu erkunden. Ich gebe zu, der erste Eindruck vom Vortag war mir natürlich noch derb in Erinnerung und die ersten paar Schritte durch die Stadt bzw. erstmal von unserem Wohnzimmer in Richtung Bank (ja, auch Geld braucht man hier) – und damit auch Stadtzentrum – machten es nicht unbedingt besser. Oktober, was will man erwarten, grün war es jedenfalls nicht mehr, Schnee lag aber auch noch nicht, irgendwie schien alles grau, trostlos, deprimierend. Dazu kam die merkwürdige Verkehrsführung, die man in Russland immer wieder mal antrifft, und die vielen Autos, die einfach immer Vorrang haben, denn hier gilt das Recht des Stärkeren! Wenigstens das Wetter hatten wir überraschenderweise auf unserer Seite, die Sonne schien schön, wenngleich es dennoch schon recht frisch war – aber ich friere natürlich eh immer, also ist das kein gutes Maß... Bei der Сбербанк angekommen, bot sich mir schon ein etwas freundlicherer Eindruck. Das Bankgebäude ist modern gehalten, davor ein bisschen grün, auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein langgezogener Park, der trotz der Tristess noch etwas anheimelndes auszustrahlen vermochte.

Aber erst einmal Geld - holen oder tauschen?! Die Frage der Fragen, die sich theoretisch von allein beantwortete, da ich nicht sonderlich viel Bargeld bei mir hatte (50Euro), sich aber praktisch auf ganz andere Weise beantworten ließ, da meine Karte hier einfach nicht funktionieren wollte... na suuuper! Also doch erstmal das bisschen Bargeld wechseln, um wenigstens ein kleines Polster zu haben. Drinnen war es furchtbar voll und man musste eine Nummer ziehen, um die Reihenfolge nicht durcheinander zu bringen *clever*. Dabei kam bei mir übrigens das erste Mal das Gefühl hoch, dass die Räume völlig überhitzt sind, während man draußen friert und richtig schön kuschelig eingepackt sein muss, schien man in dem Gebäude am besten beraten, wenn man einen Bikini anhätte Dieser Eindruck sollte sich in den kommenden Tagen eindeutig bestätigen... Nun gut, meine Angst ewig in der brütenden Hitze warten zu müssen, um endlich an die Reihe zu kommen, bestätigte sich glücklicher Weise nicht. Offensichtlich müssen nicht viele Russen Geld wechseln *lol* Warum sollten sie auch? Also fix das Geld gewechselt und wieder ab nach draußen. Aber wie sollte das Problem mit dem Geld endgültig gelöst werden? Schließlich würden die 50 Euro nicht für die nächsten 3 Monate ausreichen... DIE IDEE schlechthin, das Geld an Jana überweisen, deren Bankkarte zum Glück auch hier zu funktionieren vermag und alles läuft seinen gewohnten Gang (zumindest erstmal!) Clever, wie ich ja nun mal bin, habe ich mir vor meiner Abreise einen TAN-Generator von meiner Bank besorgt, um problemlos aus dem Ausland überweisen zu können. Egal erstmal, so viel zu der Geld-Geschichte, nun weiter im Klartext und zurück zur Stadtbesichtigung.

Anstatt, wie erwartet, durch den gegenüberliegenden Park zu schlendern, machten wir noch einen kleinen Abstecher zu dem Flus Bija, dem Namensgeber der Stadt. Richtig idyllisch, sag ich euch! Die Sonne spiegelte sich förmlich tausendfach im Wasser wieder, das Ufer – samt kleinem Sandstrand – war menschenleer, und so saßen wir ein paar Minuten einfach still da und genossen den Anblick. Im Sommer ist es da sicher auch ganz wundervoll. All zu lange konnten wir den Anblick und die Ruhe leider nicht genießen, denn so ganz ohne Bewegung wurde uns beiden bald kalt und wir brachen auf, weiter in Richtung Zentrum, zurück zur Bank und endlich durch den Park bis hin zu Post und Theater. Sogar eine hübsche Kirche haben wir auf dem Weg besucht. Schließlich kehrten wir, um uns aufzuwärmen, in einem ganz niedlichen Café ein, dem „Rendevouz“ und gönnten uns ein paar leckere Kleinigkeiten, Salat und Smoothie, Bier und Suppe. Ich bin noch immer nicht ganz sicher, ob die Kellnerin wohl wirklich dachte, wir hätten ein Rendevouz :D Auf jeden Fall war es dort ziemlich nett und eigentlich wollten wir da auch noch mal hin... *Memo an mich selbst: ins Rendevouz gehen*

Frisch gestärkt ging es weiter, vorbei an alten, bereits zum Teil verfallenen Gebäuden, die in der Vergangenheit sicher wunderschön gewesen waren und noch immer ihren Charme versprühten. Schade drum, solche Bauwerke verfallen zu lassen! In der Zwischenzeit war es schon recht spät und damit auch verhältnismäßig dunkel und noch kälter, vorallem aber eklig windig, geworden und deswegen beschlossen wir, den Rückweg nicht zu Fuß zu gehen, sondern mit einem Marschrutka zu fahren (sowas, wie ein privater Minibus?!)... 13 Rubel hatten wir gerade noch übrig (zum damaligen Wechselkurs etwa 25Cent). Zum Glück haben wir auch eine Bushaltestelle in der Nähe der Uni, quasi fast vor unserer Haustür und so ließen wir den Abend gemeinsam in aller Ruhe im Wohnheim ausklingen! Da habe ich übrigens auch das erste Mal die Küche etwas genauer inspiziert. Das wir hier ziemlich verwöhnt werden, spiegelt sich in der Küche leider kein bisschen wieder. Wir teilen uns diese mit den anderen Studenten auf unserem Gang, was an sich ja keinerlei Problem darstellt, aber wenn dort jeden Tag gekocht wird und sich dennoch niemand dafür verantwortlich fühlt, hinterher auch sauber zu machen... dann kommt was dabei heraus?! Sch****! Fotos folgen, bis dahin lasst doch euerm Kopfkino ein bisschen Freiraum! Ich bin ja auch nicht gerade ordentlich, aber DAS GEHT GAR NICHT! Das sah nicht gut aus für mich, was kochen und backen anging. (Um es schon einmal vorweg zu nehmen, es hat fast 4 Wochen gedauert, bis ich mich das erste mal wirklich – länger – in die Küche getraut habe!) Aber genug davon, keine Zeit sich darüber aufzuregen, denn am nächsten Tag sollte die Uni losgehen, und das sollte, laut Jana, noch einige Überraschungen und Herausforderungen mit sich bringen!

Dann also bis zum nächsten Eintrag und dem ersten Annäherungsversuch zwischen Anna und Uni. Habt noch einen schönen Tag, fühlt euch gedrückt und пока!

Eure Anna

1 Kommentar 16.11.14 13:19, kommentieren

Auf geht's - Start ins Ungewisse

Ihr Lieben, ich schäume förmlich über vor Motivation, also doch gleich heute noch ein bisschen mehr …

Anders als ehemals geplant, begann mein Abenteuer in Berlin (mit liebevoller Verabschiedung von meinem „Göttergatten“ Paul, meiner liebsten Caro und ihrem „Göttergatten“ - Danke, dass ihr da wart, auch wenn es nur ein kurzes Vergnügen war!) anstatt in Düsseldorf, denn im Winter gibt es keine Direktflüge, also hieß es erst einmal „Goodbye, Deutschland!“ - „Добро пожаловать в Москве“ (Herzlich willkommen in Moskau), zumindest für zwei Stunden auf dem Moskauer Flughafen In der kurzen Zeit in Moskau konnte ich mir Gedanken über meine baldige Ankunft in Barnaul machen und erste Sorgen und Ängste machten sich breit... würde es bei mir genau so drunter und drüber gehen, wie bei Jana 5 Wochen zuvor? Schließlich wurde sie nicht, wie versprochen, am Flughafen abgeholt, sondern musste sich durch die Stadt fragen, bis hin zum Bahnhof kämpfen und ist letztlich mit dem Zug nach Bijsk gefahren, wo sie auch noch die Uni bzw. unser Wohnheim allein finden musste (okay, es lag an einem Missverständnis, aber dennoch)... Bitte nicht! Ich warte, dass ich abgeholt werde, und wenn es das Letzte ist, was ich tue :P Aber Jana hatte mir zugesagt, mich vom Flughafen abzuholen, also war ich guter Hoffnung, denn auf Jana ist verlass!

Ich glaube übrigens, ich hatte noch NIE so wenig Platz in einem Flugzeug - was durchaus daran liegen kann, dass ich gewachsen bin und damals in kleinen Maschinen eben einfach weniger Platz gebraucht habe, aber das spielt hier ja keine Rolle – es war einfach mega eng und unbequem – dafür war das Essen verhältnismäßig lecker und ich schaffte es sogar die Augen zu schließen und auf dem 5-stündigen Flug ein wenig zu dösen. Das Staunen kam – wie auch schon durch Janas Berichte zu erahnen war – bei der Landung; DAS soll ein Flughafen sein??? DAS ist die Landebahn??? Und am allerbesten: DAS ist der Ausgang?????? (es handelte sich lediglich um ein LOCH IM ZAUN) Viel zu gut... warum habe ich davon nur keine Bilder gemacht? (Ach ja, weil die Kamera in den Untiefen meines Rucksacks verschollen war, der bis zum erbrechen vollgestopft war) Bevor ich jedoch durch das Loch im Zaun gehen konnte, besuchte ich noch fix die (einzige?) Halle des Flughafens, um meinen Koffer abzuholen. Doch dieser kam und kam und kam einfach nicht, ich sag euch, mir ging der Arsch auf Grundeis... ist er vielleicht beim Umladen in Moskau abhanden gekommen? Ach du Sch****! Entwarnung Freunde... er kam doch, denn das Beste kommt bekanntlich zum Schluss – so wie ich nach Bijsk und mein Koffer kam eben als letzter auf dem Gepäckband, ein Glück! Allerdings war er nicht mehr ganz so heile, wie vor Fahrtantritt, doch gut, mit Verlusten ist zu rechnen. Nun aber los, schnell durch das Loch im Zaun und einen ersten Blick auf die Stadt Barnaul erhaschen. Gott sei Dank, vor diesem epischen Ausgang wartete Jana gemeinsam mit einem jungen Herren... das kann doch aber nicht Herr Zajakin sein, von dem ich dachte, er würde mich abholen, oder? o.O Nein, natürlich nicht... Es war ein Freund von Jana, der freundlicher Weise unseren Chauffeur spielte und auch später immer mal noch mein persönlicher Held sein sollte

Barnaul... einen schlechteren ersten Eindruck hätte ich vermutlich gar nicht haben könnten. Die Hauptstadt der Region Altai im Süden Westsibiriens ist fast 3mal so groß wie Jena und beherbergt gleich mal das 6-fache an Einwohnern. Dabei ist sie mir als solch hässliches Moloch in Erinnerung geblieben, diese Stadt, dass ich keinerlei Ambitionen verspürte sie zu gegebener Zeit noch einmal zu besuchen (ich warne euch vor, ich tue es doch :D ) Wir haben gefühlt eine Stunde gebraucht, um vom Flughafen aus dieser verdammten Stadt herauszufinden (und das, ohne uns zu verfahren!) Richtig ätzend! Da hat mir die Landschaft, die sich uns dann bot, schon viel besser gefallen! Warum eine Hauptverkehrsstraßen allerdings nur zwei Fahrbahnen hat, das ist mir noch immer ein Rätsel. 3 Stunden später kamen wir jedoch wohlbehalten in meiner vorübergehenden neuen Heimatstadt an, in Bijsk. (Ich schreibe „jedoch“, da ich zwischenzeitlich wirklich nicht mehr damit gerechnet hatte lebend anzukommen, nichts gegen die Fahrkünste unseres Chauffeurs, denn er kann sehr gut fahren, aber man konnte den Gegenverkehr teilweise so schlecht einsehen, dass sich einige waghalsige Überholmanöver ergaben und überhaupt wird hier etwas rabiater gefahren, als beispielsweise auf deutschen Straßen... mein Motto hieß daher: Augen zu und durch, bloss nicht hingucken, was sich da teilweise vor und auch hinter uns auf der Straße abspielt.) Vielleicht hätte die Einfahrt in Bijsk einiger Worte gebraucht, vielleicht war es auch besser nichts zu sagen, ich bin mir nicht sicher... aber ehrlich gesagt: ich war anfangs schon etwas schockiert von der Stadt und auch von dem Block, vor welchem wir plötzlich hielten (ich wusste ja nicht, wo wir waren)... bis sich zu meinem Erstauen herausstellte, dass es sich dabei um unser Wohnheim handelte, NA GUT, wenn ihr meint o.O! Hoffentlich ist es von drinnen netter als von außen.

Hier wartete nun auch endlich Herr Zajakin auf uns bzw. auf mich und nahm mich herzlich in Empfang. Wie seine E-Mails schon erahnen ließen, spricht er wirklich verdammt gut deutsch – ein Glück, ich hatte mich noch nicht auf so viel Russisch um mich herum einstellen können (lächerlich, oder?) Gemeinsam machten wir uns also auf den Weg ins Wohnheim, auf zur Zimmerbesichtigung! Die nächste Überraschung... diesmal allerdings im positiven Sinne! Dank Minsk hatte ich ja schon einige Einblicke ins Wohnheimleben bekommen (Erinnerungen an Gemeinschaftsduschen, überschwemmte Toiletten und nächtliche Bettwäsche-föhn-Manöver werden wach) aber hier... – ich glaube, wir (also Jana und ich, die deutschen Freunde) sind die VIP Gäste! Wir haben nebeneinanderliegende EINZELzimmer mit Bett, Kleiderschrank, Schreibtisch, zwei Stühlen und zwei kleinen Schränkchen und in Janas Zimmer steht sogar ein KÜHLSCHRANK für uns beide (ja, wer zu letzt kommt, der bekommt eben das Zimmer ohne Kühlschrank *lol* aber damit kann ich leben)... und wenn ihr denkt, dass das schon super ist, dann wartet nur ab! Wir teilen uns ZU ZWEIT! eine Toilette und eine Dusche und auch zwei Waschbecken samt Spiegel gibt es für uns... Wenn das mal nicht Luxus ist hier!!!! Aber hallo!!! Okay, es ergeben sich immer mal ein paar Problemchen, aber so etwas bleibt eben nicht aus. Mal abgesehen von diesen schicken schweinchen-rosa Wänden, den Flower-Power-Lampen und dem merkwürdigen Teppichboden lässt es sich doch ganz wunderbar für ein paar Monate hier aushalten! Nach diesem ersten kleinen Eindruck hieß es erst einmal in Ruhe auspacken und etwas ausruhen, ja, so eine Reise ist schon anstrengend! Und am Nachmittag hatten wir auch schon etwas vor! EINKAUFEN!!! Aber nicht irgendwas, als allererstes sollte natürlich eine SIM-Karte für mein Handy her, am besten mit Internet, man will ja trotz allem noch Kontakt zur „europäischen“ Außenwelt haben können . Gesagt, getan. Zum Glück kannte Jana sich ja schon ziemlich gut aus (hat eben auch Vorteile, wenn schon jemand Bekanntes vor Ort ist) und so machten wir uns auf die Suche nach einer SIM-Karte samt Internet-Flat. Okay, ich gebe zu, so ganz alles, was die DREI Verkäuferinnen (wir waren die einzigen Kunden in diesem winzigen Laden) uns erzählt haben, haben wir beide nicht verstanden, aber irgendwie hat es dann eben doch geklappt und zufrieden und glücklich hielt ich eine SIM-Karte für mein Handy in den Händen! Damit ihr euch auch ein bisschen ärgern könnt: 3Euro hat das Ding gekostet, samt 1,5GB Internet-Flat, 350SMS und 350 Freiminuten (zwar hier im Netz, aber HALLO...) Wenn das nicht erfolgreich war, was dann... und auf dem Weg habe ich natürlich auch schon die ersten Eindrücke von der Stadt sammeln können, die sind allerdings nicht weiter nennenswert ^^ Der Bahnhof ist ganz schön kitschig, gelb-rot und türkises Dach. Vom Wohnheim zum Bahnhof führt ein recht großer „Park“ und beim Bahnhof befinden sich zwei recht große Einkaufszentren, wo auch gleich für die nötige Erstausstattung gesorgt wurde: Tasse, Teller, Schüssel, Besteck und ein Glas, was man eben so braucht.

Naja, ich war dann auch wirklich sehr geschafft, es war eben doch eine weite und lange Reise und auch ziemlich viele Eindrücke für nur einen einzigen Tag, deswegen ist nichts weiter großartig passiert. Genug ist sozusagen genug. Aber ich war ENDLICH angekommen, jetzt konnte das Abenteuer also richtig beginnen! Auch für euch wird es jetzt interessanter bzw. mit dem nächsten Eintrag dann ^^

Bis morgen, Freunde.

Пока,
eure Anna

1 Kommentar 15.11.14 17:57, kommentieren

Fehlersuche!

Alle gefundenen Fehler dürft ihr gerne behalten,… passiert und ist original ICH Dafür wird keine Haftung übernommen!

15.11.14 16:32, kommentieren

Mein russisches Abenteuer - wie alles begann

Hallo ihr Lieben,

auf (Geburtstags-)Wunsch einer einzelnen Dame habe ich nun doch noch beschlossen meine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse in Sibirien für euch – in hoffentlich einigermaßen verständlicher Reihenfolge und Form – in Worte zu fassen und niederzuschreiben. Nein, ganz so war oder ist es dann doch nicht, inzwischen habe ich meine Lust am Schreiben nämlich glücklicherweise wieder gefunden und bin richtig motiviert euch – mehr oder weniger aktuell und genau – an meinem Leben hier teilhaben zu lassen Natürlich passiert dies – zumindest momentan – eben nicht ganz live, schließlich müsst ihr ja erstmal erfahren, was in den letzten Wochen so alles passiert ist, bevor es an die neueren Ereignisse geht, aber vielleicht schaff ich es ja noch irgendwann auf den aktuellen Stand und kann dann live berichten... wer weiß das schon!?

Wie alles begann

Nun also getreu dem Motto „Besser spät als nie“, aber wo soll ich anfangen??? Am besten ganz von vorn :D Die meisten von euch kennen ja bereits die Geschichte über die Turbulenzen bei der Entscheidung für ein Auslandssemester (Holter-die-Polter) und weiterführend die Probleme, die dank Post und Visa etc. zu bewältigen waren. Für alle trotzdem noch mal ein kleiner Rückblick bzw. für die, die es vielleicht doch nicht wissen, hier noch einmal „wie alles begann“... Es war die letzte Veranstaltung unseres Volkshochschulkurses Russisch und zum Abschied entschloss man sich den Abend gemeinsam bei einem Getränk und etwas Geplauder ganz ungezwungen ausklingen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt saß ich jedoch schon am Bahnhof, meine Schüssel mit Muffins neben mir stehend, und wartete auf den Zug, der mich nach Hause bringen sollte. Da fällt mir auf – die Tatsache, dass ich gerne backe, hat mich letztendlich nach Bijsk geführt... verrückt!!!! Wie das Schicksal so spielt… - kam der Zug ausnahmsweise pünktlich und alles wäre seinen gewohnten Gang gegangen, wenn ich Dussel nicht meine Schüssel eben auf dem Bahnhof vergessen hätte... Warum auch immer, aber ich wollte meine Muffins unbedingt zurückerobern (natürlich habe ich es erst bemerkt, als der Zug bereits fuhr) und rief Lisa an, sie solle doch bitte meine Schüssel am Bahnhof retten und da berichtete sie mir von eben dem bereits erwähnten netten Plan, den Abend gemeinsam zu verbringen! Na gut, dann steige ich eben in Jena-Göschwitz aus und fahre zurück... gedacht, gesagt, getan... und so traf ich den VHS-Kurs vor einem kleinen Restaurant sitzend wieder, Lisa hatte zum Glück auch meine Schüssel noch finden können (an dieser Stelle sei noch mal ganz lieb DANKE gesagt!), doch einige Muffins haben gefehlt, Frechheit!

Unser Abschiedsabend vor den Sommerferien sollte auch gleichzeitig einen längeren Abschied von Jana bedeuten, den es zu begießen galt! Denn Jana hatte sich entschlossen ein Auslandssemester in Russland zu machen und würde schon im Herbst aufbrechen. Natürlich war das eines der Hauptgesprächsthemen und so fragte sie – wohl eher als Scherz gemeint – in die Runde: „Hat nicht noch jemand Lust mitzufahren? Ich fahre nun allein, da alle anderen abgesprungen sind.“ Gelächter. Aber in meinem Kopf begann es zu rattern. Ist das nicht genau DAS, was du gerade brauchst?! Einfach mal eine Auszeit von der Uni, neue Erfahrungen sammeln und dein Russisch auf Vordermann bringen? Warum eigentlich nicht... Was sollte schon dagegen sprechen?! Allerdings wollte ich das Ganze nur ungern vor der gesamten Gruppe aufgreifen und beschloss mit Jana unter vier Augen zu reden und ihr zu gestehen, dass ich sie ernster genommen hatte, als sie es wohl für möglich gehalten hätte. Als sie sich verabschiedete bot ich ihr also an, sie noch ein Stückchen zu begleiten und dann erzählte ich es ihr: ICH WILL! … Natürlich, erst einmal muss die Nummer mit Mama und Papa und natürlich auch mit Paul diskutiert werden, aber dennoch: ICH WILL! Schon am nächsten Morgen hatte ich mit meinen Eltern darüber gesprochen und - wie zu erwarten war - waren auch sie Feuer und Flamme für diese Idee, erste „Hürde“ gemeistert (eigentlich war es ja gar keine ^ ^). Vor Pauls Reaktion hatte ich da schon etwas mehr Angst, wir haben ja nun eh schon nicht so viel Zeit miteinander und dann auch noch 3 Monate oder länger ins Ausland und gleichmal über 5000km Entfernung zwischen uns bringen... Doch auch er verstand schnell die Chance, die sich mir bot, und versicherte mir seine Unterstützung und noch am selben Morgen schrieb ich der Verantwortlichen unserer Uni, dass ich gern „nachrücken“ würde, um Jana nach Bijsk zu begleiten. Und nach einigem Hin und Her (das würde jetzt wirklich zu weit gehen) kam dann tatsächlich die Zusage. „Die Einladung wird bearbeitet, das dauert etwa 4 Wochen, und dann wird sie per DHL schnellstmöglich zu dir geschickt...“ Klingt doch alles wunderbar! Also hieß es Flüge buchen. Jana und ich hatten uns schnell geeinigt, ein Direktflug am 1.09. sollte es sein...

doch meine Einladung kam und kam nicht. Die Bearbeitung hatte, wie versprochen, ca. 4 Wochen in Anspruch genommen und der Versand wurde mir bestätigt, aber jeden Tag das gleiche – der Briefkasten blieb leer, doch der Abreisetag kam unaufhaltsam näher und die Koffern standen natürlich bereits fertig gepackt in der Ecke! Als absehbar war, dass ich nicht fliegen würde, hieß es schweren Herzens umbuchen. Selbst wenn die Einladung in den letzten drei Tagen vor dem Abflug noch gekommen wäre, hätte ich kein Visum mehr bekommen... der ewigen Bürokratie sei "Dank". Das neue Abflugdatum setzten wir auf zwei Wochen später fest, schließlich sollte die Einladung ja theoretisch schon lange da sein und würde sicher bald kommen... doch zu früh gefreut, auch diesen Termin konnte ich nicht einhalten! So viel Stress und so viel Geld in den Wind geschossen, ich könnte mich immer noch furchtbar darüber aufregen! Was nun? Tausend mal umbuchen bringt einfach nichts außer steigende Kosten... aber die Flüge werden ja auch nicht günstiger... Außerdem ist da ja noch Pauls Geburtstag und die Bastelmesse gleich darauf, ich kann doch nicht ernsthaft 2 Tage bevor mein Freund Geburtstag hat das Land verlassen?!? Da wir eh nicht sicher sein konnten, wann (und ob – manchmal habe ich ja schon daran gezweifelt, dass sie überhaupt noch kommt) die Einladung nun kommen würde, habe ich den dritten Versuch auf das Wochenende nach Pauls Geburtstag gelegt und – wer hätte das gedacht – zwei Tage nach Buchung kam sie dann endlich, meine Einladung! Wenigstens war nun noch genug Zeit das Visum ohne größere Kosten zu beantragen, was ausnahmsweise auch ohne Probleme funktionierte, und den Geburtstag würde ich trotzdem mit Paul verbringen können, sogar die Bastelmesse würde ich besuchen! Toll...!!!!!! Ja, so hat also alles begonnen und anstatt am ersten September in mein russisches Abenteuer zu starten ging es mit über einem Monat Verspätung los, am 5.Oktober! Positiv daran ist natürlich, dass so die Zeit der Trennung von zu Hause um einiges kürzer ausfällt... allerdings eben auch die Zeit, die bleibt um Russisch zu lernen und die Gegend zu erkunden!

Das war es auch schon für den Anfang, ich will euch ja nicht gleich überfordern… morgen dann mehr

Aller liebste Grüße, fühlt euch gedrückt :* Пока

15.11.14 15:44, kommentieren