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Eine zweite Chance für Barnaul

Hallöchen an alle Mitleser, hier bin ich wieder und ich muss zugeben, genauso wenig, wie ich Lust hatte noch einmal nach Barnaul zu fahren, da mich die Ankunft dort so verschreckt hatte, habe ich jetzt Lust über meinen neuerlichen Ausflug dorthin zu schreiben. Ich versuch es trotzdem mal. Wie bereits erwähnt, waren wir ja an dem gemeinsamen verlängerten Wochenende mit Niko hier in Belokuricha und nach einem Entspannungstag hieß es am Dienstag schließlich: auf nach Barnaul!

Morgens halb neun sollte es also los gehen, denn man fährt fast 3h mit dem Bus. Da muss man schon mal zeitig aufstehen, um auch etwas von dem Ausflug zu haben. Also trafen wir uns am frühen Morgen am Busbahnhof und ich war wirklich müde und unlustig, unmotiviert. Ich hatte sogar darüber nachgedacht mich „krank“ zu melden. Aber die Umgebung zu erkunden, ist nun einmal eine gute Idee, also Augen zu und durch (mal wieder!). Wir hatten natürlich noch keine Tickets gekauft, da die Busse regelmäßig verkehrten. Trotzdem fiel es uns nun auf die Füße, denn wir saßen fast eine Stunde auf dem Busbahnhof fest und warteten auf unseren Bus. An sich nicht so schlimm, aber wir hätten noch SCHLAFEN können, EINE STUNDE LÄNGER! Zumindest hatten wir so genügend Zeit den Busbahnhof mit all seinen kleinen Lädchen zu erkunden und – endlich – fand ich die ersten Postkarten, wenn auch nicht von der Stadt und auch nicht wirklich in dem Sinne, wie ich es – also wie die meisten vermutlich – es erwartet hätten. Was soll`s, es nutzt ja alles nichts. Besser die, als keine. Und schöne Motive sind es allemal. Irgendwann kam schließlich auch unser Bus und auf ging die Reise nach Barnaul. Die Landschaft konnte mich nicht wirklich begeistern, kann aber auch daran gelegen haben, dass ich den größten Teil der Fahrt einfach nur schlief. Den Rest der Zeit lernte ich Vokabeln und las im Reiseführer über unser Ziel.

Knapp 2,5h und einige waghalsige Fahrmanöver – ja, auch im Bus ist man davor nicht sicher – später, standen wir schließlich in Barnaul und machten uns auf den Weg, die „Hauptstraße“ zu erkunden. Diese ca. 5km lange Straße entlang zu laufen und ein paar nahegelegen Gebäude zu besuchen war unser Ziel. Nebenbei standen natürlich weiterhin einige wichtige Besorgungen auf unserem Einkaufszettel, ihr erinnert euch: Stiefel und Mantel! Wichtig. Vielleicht hätten wir ja in Barnaul mehr Glück. Nach etwa eineinhalb Stunden kehrten wir erstmal in eine „gehobenere Mensa“ ein und machten Mittagspäuschen bei Suppe und Tee, perfekt zum aufwärmen, denn in Barnaul ist es meistens kälter als im Umland, also auch als in Bijsk und zu dieser Zeit waren wir ja noch nicht an -25° gewohnt bzw. fanden -19°C geradezu kuschelig warm (Gespräch heute, O-Ton Jana: es sind nur -19°C, geradezu kuschelig, da kann man das Fenster schon mal offen lassen...).

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Nach dieser kleinen Stärkung ging unsere Erkundungstour durch die Stadt weiter, vorbei an einigen Universitätsgebäuden bis hin zu einer hübschen kleinen Kirche, welche wir uns auch von innen anschauten – als nächste Aufwärmrunde sozusagen. Eigentlich wollten wir es bis hin zum Ob schaffen, aber da eine riesige Kreuzung uns schließlich von seinen Ufern trennte, verwarfen wir diesen Plan und beschlossen dem riesigen „Pelzmarkt“ einen Besuch abzustatten. Ein Pelzmantel ist schließlich auch ein Mantel :D. Keine Angst, wir haben weder einen gut gefunden, noch darüber nachgedacht wirklich einen zu kaufen. Aber ein bisschen Spaß muss sein. Weiter auf den nächsten, den richtigen, Markt... davon bin ich ja kein großer Fan... Obst und Gemüse ist ja ganz nett, aber Fleisch, Fisch und die Milchprodukte, ich kann den „Geruch“ absolut nicht leiden. Glücklicherweise hielt sich dieses Problem dort in Grenzen, genauso wie wir unsere Zeit, die wir in der Markthalle verbrachten. Noch eine weitere Kirche stand auf unserem Plan, also machten wir uns – sehr erfolgreich ohne uns zu verlaufen – auf die Suche nach eben dieser. Gesucht, gefunden, angeguckt. Eine Kirche halt, schön und nicht zu übertrieben, aber halt nichts besonderes.

Die nächste Aufwärmrunde sollte uns in ein großes Shoppingcenter frühen, denn wir mussten bis zum Abendessen noch einige Zeit totschlagen. Wo wir essen wollten, hatten wir bereits auf dem ersten Kilometer der Hauptstraße, noch vor unserer Mittagspause, herausgefunden! All-you-can-eat-Sushi wollten wir uns einfach nicht entgehen lassen! Aber ein bisschen was wollten wir halt doch noch angucken, der Ausflug sollte sich ja lohnen. Auf dem Weg zu unserem Zwischenziel, also dem Einkaufszentrum (Jana kannte sich schon ganz gut aus, sie war mit Valentina bereits in Barnaul gewesen und hatte sich einiges angeschaut), entdeckte Jana einen kleinen und gutversteckten Second-hand-Laden, nichts wie rein und umschauen! Und DA hing er, MEIN zukünftiger Mantel. Ganz unscheinbar und dennoch fiel er mir bereits beim reinkommen auf Endlich! Die erste Sache abgehackt, ein olivgrüner, kurzer Mantel mit kuscheligem Fell um die Kapuze. Verliebt. Der musste gekauft werden! - und mal nebenbei bemerkt, er war auch ein ziemliches Schnäppchen: 40 Euro, ohne irgendwelche Fehler oder Schäden und SUPERWARM!

Nachdem ich also glücklich war, auf ins Einkaufszentrum und da sollte sich Jana auch noch verlieben. In einen Mantel. Als wir von einer Rolltreppe zu nächsten liefen, hing er dort einfach im Schaufenster und strahlte uns an. Ein grünes, dünnes Mäntelchen, Marke (ich erwähne hier besser nicht, welche... sonst gibt’s nur Neid ^^), und wollte gekauft werden! Rein. Anprobieren. Preisschild studieren. Schlucken. Wieder gehen. Ersteinmal etwas trinken... und nachdenken, eigentlich war schon beschlossen, dass Jana ihn kaufen würde, sie konnte gar nicht mehr aufhören davon zu reden! Auf dem Rückweg durch das Einkaufszentrum – na, ratet mal – machten wir also noch einmal im gleichen Laden halt, noch einmal anprobieren, verliebt sein, Augen zu & durch, kaufen! Ganz einfach... außerdem war der Mantel ja runtergesetzt. (Hat nur das fünffache von meinem neuerworbenen Kleidungsstück gekostet... man gönnt sich ja sonst nichts)

Nach dieser ganzen Aufregung und der vielen Bewegung war es nun wirklich Zeit etwas zu essen! Also den ganzen Weg zurück zu dem Restaurant, welches wir uns anfangs ausgesucht hatten. Hab ich erwähnt, dass Feiertag war? Könnte ihr euch denken, was es am Feiertag nicht gibt? All-you-can-eat-Sushi... das war ja wieder so klar, oder?! Enttäuschung. Hungrig und ausgelaugt... entschieden wir uns dennoch zu bleiben und dort zu essen und es war auch wirklich lecker und empfehlenswert, auch ohne Sushi. Auf dem Platzset stand es dann: ein Restaurant der gleichen Kette gab es auch in Bijsk! In unserem Shoppingcenter, wo auch das Kino ist! Die haben ja sicher das gleiche Angebot, dann gehen wir eben dort Sushi (fr)essen … so der Plan. Jetzt hieß es aber erst einmal den Weg zurück zum Busbahnhof finden und nach Bijsk fahren. Erschöpft aber glücklich, immerhin hatte sich der Ausflug ja gelohnt, wir hatten viel gesehen und waren endlich fündig geworden, was Mäntel anbetraf, war ich gegen um neun zurück im Wohnheim. Manche Dinge verdienen eben doch eine zweite Chance. Und wenn meine Familie endlich bei mir ist, um mich zu besuchen – nur noch 11Tage!!!!!! - dann bekommt Barnaul noch eine dritte Chance

Ich gönne mir jetzt noch ein bisschen Ruhe und lese eine Runde. Euch noch einen schönen Tag und bis bald. Ach, ich hoffe ihr hatte alle einen wunderschönen, besinnlichen ersten Advent und das sich schöne Sachen/ Sprüche/ Bilder etc. hinter eurem ersten Türchen versteckt haben. Fühlt euch ganz lieb gedrückt und пока,

eure Anna.

1 Kommentar 1.12.14 15:50, kommentieren

Erlebnisse mit Niko und der erste Ausflug

Hallo Freunde. Ich geb es ja zu, ich bin schon wieder müde, oder auch immer noch :D wir schlafen einen schlechten und traumlosen Schlaf seit die Mongolen eingezogen sind. Und ich sage wir, weil es Jana genauso geht. Morgen ist der Spuk dann vorbei. Ich weiß auch nicht, warum unser Schlafverhalten beeinträchtigt ist, aber so ist es eben. Deswegen wird es heute – glaube ich – nicht so lang.

Aber ich möchte endlich beginnen euch von der Zeit zu erzählen, in der Niko zu Besuch war und wir gemeinsam mit ihm die Stadt unsicher gemacht haben. Niko und Jana kamen früh morgens um sechs zurück, ich wusste es schon vorher und hatte überlegt frühstück zu machen, aber es war mir dann doch ZU früh. Natürlich habe ich sie kommen hören, wie immer, mein Schlaf ist nie sonderlich tief. Also bin ich, schon als ich die Eingangstür in der ersten Etage gehört habe!, aufgestanden und hab die beiden Urlauber kurz begrüßt. Sie waren erschöpft, ganz klar, dadurch war es kein Problem sich noch einmal hinzulegen. Gegen elf – glaube ich – wollten sie sich mit Valentina treffen, um die angemietete Wohnung zu besichtigen und einzuziehend. Da ich eh nichts anders vor hatte (montags hatten wir erst nach halb eins Uni), habe ich sie begleitet. Ach, das muss ich noch erwähnen: es hatte geschneit! Die ganze Nacht. Ich sag euch ja: IMMER, wenn Jana reist, schneit es! Das ist wichtig, weil es passiert ist. Es war wirklich kalt und wir hatten einiges an Gepäck dabei, deswegen sind wir Bus gefahren, und keine fünfzig Meter vor der Haustür verliere ich den Halt, es zieht mir die Füße weg und *krach* *bums* *au* liege ich auf dem Rücken, wie ein Käfer. Prima. Und jetzt mal ganz ehrlich: es tat wirklich weh. Steiß geprellt und ziemlich unsanft VERSUCHT mit den Händen abzufangen. Trotzdem noch mal Glück gehabt, ab da war ich deutlich vorsichtiger unterwegs und mir kam wieder auf den Schirm: STIEFEL KAUFEN! Und einen Mantel... dann wäre es vermutlich nicht passiert, zumindest wäre ich aber weicher gefallen. Da bin ich mir sicher.

Die Vermieterin wartete bereits in der Wohnung. Der Flur mutete dabei typisch russisch und damit wenig einladend an, dunkel, restaurierungsbedürftig, dreckig und irgendwie stinkig. Die Wohnung dagegen machte einen ganz netten ersten Eindruck, klein aber ordentlich, sogar mit einem kleinen Balkon und 4 ECHTEN Topfpflanzen. Das weiß ich noch, denn die Vermieterin wies Jana mehrmals darauf hin die Blumen zu gießen. Besonders hatte es mir allerdings die rosafarbene, Rüschen-verzierte Tagesdecke angetan. Lange hatten wir keine Zeit, wie gesagt, nach dem Mittag hatten wir Uni und auch Jana – jeder hätte es wohl verstanden, wenn sie den Tag noch frei gemacht hätte – kam mit. Also fuhren wir zurück zum Wohnheim, wo Niko wartete, und dann auf zum Russischunterricht. 12 Tage hatten wir nun Zeit, bevor sich Niko auf den Rückweg machen würde und diese Zeit wollten wir nutzen. Die Abende hatte ich weiterhin für mich und verbrachte sie größtenteils in Janas Zimmer an ihrem PC. Das musste ich schon noch ein bisschen ausnutzen.

Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht mehr an die genau Reihenfolge erinnern, in der wir was unternommen haben, deswegen nur mal so ein paar „Bröckchen“: wir waren im Kino, der arme Niko, der kein Russisch kann, war seeehr tapfer. Wie der Film heißt, das weiß ich leider nicht. Nicht das ich es vergessen hätte, ich wusste es auch „damals“ nicht. So gut war der Film auch nicht, hab kaum noch Erinnerungen daran... Natürlich waren wir shoppen, was muss, das muss! Und jeder wurde früher oder später fündig, auch der Herr Außerdem waren wir mit Niko natürlich im Schokolatte, zwei mal hintereinander gleich. Genau, das war auch mein erstes Mal! Jana hat es uns eines abends gezeigt und wir waren beide sehr begeistert. Wir haben super lecker Sushi gegessen und Cocktails geschlürft, es war wirklich ein netter Abend. (Und in diesem Fall ist nett nicht der kleine Bruder von sch**** ^^) So nett, das wir eben wieder kamen. Noch was ganz tolles ist passiert, wir haben endlich mal die Stadt verlassen.



Wir hatten ein verlängertes Wochenende, da am Dienstag Feiertag und damit Montag Brückentag war, also haben wir uns dieses Wochenende mal etwas aus der Stadt hinaus getraut und waren wir in einem "Kurort" namens Belokuricha, 1h15min Busfahrt und da standen wir in der Stadt ... und ich dachte - Nein! Nicht noch so eine hässliche Stadt - aber eine halbe Stunde Fußweg später standen wir schließlich im Kurort Viertel und hey... das war wirklich schön anzusehen. Halt schon ein wenig auf Tourismus ausgelegt. Mit Wintersportmöglichkeiten, schön gelegen an einem kleinen Bach, sind wir da lang spaziert und haben einen Sessellift gesucht... vorbei an süßen Souvenir-Ständen, ja. Für so etwas bin ich gern zu haben, und JA, natürlich habe ich auch etwas gekauft. Denn Sessellift haben wir tatsächlich auch irgendwann nach 1,5h Fußmarsch gefunden! Tja, ich und Höhe, das hätte ich mir vielleicht mal eher überlegen sollen! Aber gut, mit gehangen mit gefangen und das Ticket (das absurder Weise teurer war, als die insges. 2,5h Hin- und Rückfahrt im Bus) war ja nun auch bezahlt... also Zähne zusammen beißen und los! So schlimm kann es ja nicht werden, nur KALT und LANG! Verdammt, ich dachte echt, es hört gar nicht mehr auf! Wir sind ZWANZIG Minuten mit dem Sessellift gefahren und es war echt kalt mit der Zeit, EISKALT... aber - man muss ja ehrlich sein - für den Blick, der sich uns am Ende geboten hat, hat sich das wirklich mehr als gelohnt! Unfassbar schön! (Bilder folgen ) Zu meinem Glück gab es da oben nicht nur diesen atemberaubenden Blick zu bewundern, sondern auch heiße Getränke.


Einen Tee später haben wir uns dann auf dem "Berggipfel" durch den Wald gekämpft, um einen noch besseren Überblick zu erhalten... Wahnsinn – in zweierlei Hinsicht!!! Die kalten und nassen Füße sind da ja schnell vergessen... (blöd, wenn man nur Turnschuhe aus Deutschland mitgebracht hat und einfach keine schönen und passenden Stiefel findet, obwohl schon im Oktober Schnee fällt (der zweite Wink mit dem Zaunpfahl in einer Woche, dass eine Shoppingtour DRINGEND notwendig, geradezu überlebenswichtig war)! - aber selber Schuld!

Vor der Runterfahrt mit dem Sessellift hatte ich dennoch Respekt, am Ende habe ich doch den Blick mehr genossen als meine Angst zu zu lassen! Hab mich mit fotografieren abgelenkt und überlebt... Wir sind dann mit dem Bus zurück in die Stadt gefahren und haben uns in einem Restaurant verwöhnen lassen (die Strapazen dabei, lasse ich hier jetzt mal weg (...)) Ja, es waren immerhin 5h an der frischen Luft und fast durchweg in Bewegung, das schlaucht schon... aber der Ausflug hat sich wirklich gelohnt!

Das war übrigens Sonntag, also legten wir am Montag einen Ruhetag ein. Schlau! Und am Dienstag sollte auch schon der zweite Ausflug folgen. Das Ziel dieses Mal: Barnaul. Ich hatte ja bereits erwähnt, ich würde doch noch wiederkommen, und nun war es soweit. Aber dazu morgen mehr. Und jetzt erst einmal eine gute Nacht und wundert euch nicht, ich habe die Nachricht, die ich einer Freundin über diesen Ausflug hinterlassen habe, hierfür missbraucht und verändert. Denn da war die Erinnerung noch frisch und ich jetzt gerade zu faul alles neu zu schreiben *rot werd* :D Aber wenigstens bin ich ehrlich :P Habt noch einen schönen Abend und bis morgen, ihr Lieben! Fühlt euch gedrückt und пока,

eure Anna

28.11.14 19:46, kommentieren

Fortsetzung folgt :)

Da bin ich wieder, nach dem ich gestern sozusagen fast mitten im Satz aufgehört habe... Sorry noch mal. Aber es war nötig und ganz ehrlich: ich musste die Konsequenzen tragen. Bin ich heute müde! Okay, ich habe noch eine Stunde gelesen -.-* aber das Buch ist SOOOO spannend! Beinahe hätte ich es noch fertig gelesen, aber irgendwann habe ich mich dann zum schlafen gezwungen. Bin so gegen halb drei eingeschlafen und heute richtig im Eimer. Aber mein Buch habe ich dennoch – vorhin! - fertiggelesen. Endet etwas anders als der Film. Hatte ich erwähnt, dass ich Gone Girl lese? Ich glaube ja... jetzt kann es mit der nächsten Buchempfehlung weitergehen. Wenn ihr noch Ideen habt, dann immer her damit! Vielleicht schaffe ich sie nicht mehr hier zu lesen, aber bis ich wieder in Deutschland bin, vergehen ja noch ein paar Monate! Zeit sollte sich also noch für das ein oder andere Buch finden lassen, vor allem wenn man an meinen anfänglichen Lesemarathon hier denkt.

Wo war ich stehen geblieben? Ich meine mich an unhöfliche Neuzugänge hier zu erinnern. Aber genug davon. Jana und ich sind in unserem Frust einkaufen gegangen, für den Abschiedsabend. Lust auf richtig viel Arbeit und Chaos hatten wir nach der viel zu kurzen Nacht allerdings nicht mehr. Also strichen wir die Bratäpfel wieder von unserer Liste und beschränkten uns auf Propheten-Kuchen, Glühwein und selbstgemachtes Apfelmus. Mit unseren China-Mädels (ist das eigentlich gemein, sie so zu nennen? Denn so ist das wirklich nicht gemeint! Ich bin nur lediglich zu faul ständig die Namen zu schreiben und die Beschreibung ist einfach treffend. Wir sind halt auch die Deutschen. Einfach. Prägnant. Unverwechselbar.), jedenfalls waren wir mit ihnen für um drei verabredet, um gemeinsam alles vorzubereiten. Galina wollte unbedingt das Kuchenrezept haben und mit vielen Leuten ist es halt auch lustiger. Auf dem Weg zum Discounter kamen uns auch die Mongolen (Einfach. Prägnant. Unverwechselbar.) entgegen und sagten für um vier zu. Konnte also alles, wie GEPLANT, laufen ?! Weil wir uns ja nun gegen die Bratäpfel entschieden hatten, aber Angst hatten, dass der Kuchen nicht reichen würde, kauften wir noch ein paar fertige Leckereien, denn die gibt es hier reichlich. Alle Zutaten, fertig, und los!

Wir waren pünktlich zurück und machten uns sofort in der Küche breit. Drei Bleche Kuchen sollten es werden. Das klingt viel, aber der ist halt echt nicht so „füllig“, Huckelkuchen halt, ihr kennt den doch, oder? Und die Bleche sind winzig! Ernsthaft. Lächerlich klein. Während ich mich um das anrühren des Teigs kümmerte, der einfach nicht so gelingen wollte, wie ich es gern gehabt hätte, setzte Jana den Glühwein auf und bereitete das Apfelmus zu. (Wir hatten sogar Vanilleeis gekauft, als extra Schmankerl sozusagen.) Dascha, Xenia und Galina trafen erst eine halbe Stunde später in der Küche ein. War, wie sich herausstellte, auch echt gut so, wir hatten unser erstes großes Chaos schon beseitigen können und sich hatten sich offensichtlich überlegt auch etwas zu dem Abend beizutragen. Wie praktisch! Die 3 begannen also ein herzhaftes Abendessen zu zaubern, natürlich Reis und Gemüse – alle wissen bereits bescheid und nehmen Rücksicht auf Jana - und wir steuerten dann eben das Dessert bei. Die Uhr zeigte vier, die ersten beiden Bleche Kuchen waren fertig – einer wäre mir beinah verbrannt, man muss echt super aufpassen und ohne Ofenbeleuchtung hatte ich am Ende über 20 Fotos auf dem Hand , auch das Apfelmus duftete herrlich und der Glühwein musste nur noch richtig heiß werden, aber von unseren Ehrengästen war weit und breit keine Spur. Klar, praktisch war das allemal, denn fertig waren unsere drei Köchinnen noch lange nicht und dementsprechend chaotisch sah es auch noch aus.

Jana und ich kümmerten uns nun darum, zumindest ein wenig Ordnung in die Küche zu bringen. Erstmal sämtliche Nachspeisen im Fensterbrett sammeln, den Kuchen schneiden und auf Tellern anrichten, die gekauften Leckereien präsentieren, das Apfelmus abfüllen und schließlich den Tisch decken. Gegen um fünf, also eine ganze Stunde später als eigentlich GEPLANT, holte ich schließlich unsere Mongolen-Mädels ab. Lasst das Festmahl beginnen! Zuerst einmal das Abendessen unserer Chinesinnen, wir hatten wirklich Glück, es reichte haargenau! Für 9 Leute zu kochen ist eben nicht so einfach und alltäglich, Reis uns Soße waren nach der ersten Runde bereits leer, aber es reichte genau für uns, denn es musste ja eh noch Platz für unsere Leckereien bleiben. Fast hätte ich es vergessen: Jana hat noch richtig „Schweinerei“ gemacht, also beabsichtigt, denn wir wollten Bananenmilch machen und die in einer Flasche mixen, aber wie sollte man die Banane in die Flasche bekommen? :D *Platz für Kopfkino* Nach der herzhaften Runde hieß es abwaschen, denn das Geschirr ist wahrlich knapp und wenn alle auf einmal essen und auch noch zwei Gänge... dann muss definitiv abgewaschen werden, bevor es weiter geht. Kleine Verdauungspause und da saßen wir nun mit lecker Vanilleeis und selbstgemachtem Apfelmus, frischem Kuchen, Bananenmilch und Glühwein und ließen es uns gut gehen. Dascha und Sascha haben sich, so glaube ich, in unser typisches Weihnachtsmarkt-Getränk verliebt. Der war auch echt nicht schlecht, sogar ich habe zwei Tassen getrunken. Kompliment an Jana! Die Bananenmilch habe ich fast allein geleert Ich find es einfach super lecker und da kamen Erinnerungen hoch, wie mir in Minsk Bananenmilch gemacht wurde. Toll!

Im Laufe der Zeit wurde die Stimmung lockerer. Unsere Abreisenden schienen anfangs noch etwas reserviert, aber mit dem Dessert wurde es besser, witziger. Viele Fotos wurden gemacht, zwischendurch immer mal einen Keks oder ein Stück Kuchen in den Mund geschoben, rumgescherzt, gesungen und getanzt, bis der Kuchen und das Apfelmus alle waren. Wir (Deutschen) hatten uns das Ende dennoch ein bisschen anders vorgestellt. Um sieben, also nach knapp zwei Stunden, war plötzlich alles vorbei, alle waren verschwunden. Die restlichen Leckereien ließen wir – für die Allgemeinheit zugänglich – auf dem Küchentisch stehen, den restlichen Glühwein teilten wir unter uns auf und damit hatte sich die „Abschiedsfeier“ ausgefeiert. Um sieben. Unweigerlich fühle ich mich an einen Kindergeburtstag zurückerinnert. Lecker Essen, viele Fotos, Tanz und Gesang und pünktlich um sieben sind alle weg. Auch gut. Wir waren ja sowieso total müde und den Abend ruhig ausklingen zu lassen, dass kam uns ziemlich gelegen.

Die Nacht hätte so gut, so lang werden können. Hätte. Wenn da nicht diese verda**ten Mongolen gewesen wären, die uns schon am Morgen nicht mehr hatten schlafen lassen. Denkt man länger darüber nach, kommt man sich tatsächlich vor, wie im falschen Film. Jana und ich, zwei Studentinnen Anfang 20, versuchen zu schlafen, während im gleichen Flur die 30-60jährigen Lehrer die ganze Nacht lang Party feiern. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Halb eins. Lautes Klopfen im Flur. Laute Stimmen. Lachen. Ausgelassene Gespräche. Um eins. Gleiches Spiel. Um zwei. Gleiches Spiel. Und so ging es die ganze Nacht. Gegen um vier bin ich endlich eingeschlafen, um neun war Uni. Ich verrate euch ein Geheimnis: ich bin nicht gerade ausgeruht und schon gar nicht gut gelaunt aufgewacht! Sollte es nicht genau umgekehrt sein, wir feiern und die Erwachsenen versuchen zu schlafen und regen sich über unsere Unbedarftheit und Rücksichtslosigkeit auf? In der Uni sind wir Herrn Zajakin begegnet und haben unserem Ärger darüber erst einmal Luft gemacht, mit der Bitte nichts zu tun, da wir selber mit unseren Flurgenossen darüber reden wollten. Natürlich wusste diese aber, als wir aus der Uni zurück kamen, bereits bescheid, dass sich zwei Mädels (wer das wohl gewesen sein mag?) beschwert hatten. Peinlich. Aber gerechtfertigt. Was soll ich sagen... und seit dem ist es ruhig ^^ Wenigstens etwas. So viel erst einmal dazu.

Wir hatten am Montag übrigens einen neuen Deutschkurs, reichlich spät, ich weiß. Eigentlich hätten wir den Kurs auch schon drei Wochen eher übernehmen sollen, aber ganz ehrlich, es kam einfach IMMER etwas dazwischen. In der ersten Woche (da war Niko noch da und wir sollten am Freitag Nachmittag eine Stunde übernehmen) haben wir es schlichtweg vergessen! Ehrlich! Einfach so. Die Woche darauf kam unser „stellt doch mal was deutsches für die Neuen – how-to-be-german – Programm dazwischen und letzte Woche,... hab ich vergessen. Egal. Sie hatten das Thema Architektur behandelt, da wussten wir eh nicht so wirklich, was wir großartig mit den Studenten machen sollten. Antike Tempelkunde? Als würden sie das auf Russisch alles können, warum sollten sie es dann bitte auf Deutsch lernen? Jetzt sollte unser neues Thema aber die Musik sein und wir durften das Thema einführen. Wie sich herausstellte, besteht der Kurs aus drei Mädels, die wir also zu zweit unterrichten und natürlich sitzt im Hintergrund immer die eigentliche Dozentin. Man könnte eine super Eins-zu-eins-Betreuung darauf machen, wenn man wollte. Aber man wollte nicht. Musik also. Wir begannen mit den Mädels die verschiedenen Musikrichtungen in Form eines Mind-Maps – unser liebstes Tafelbild – zusammenzutragen, zugegeben, eine ziemlich einfache Aufgabe, da fast sämtliche Termini international gebraucht werden. Ein netter Einstieg war es allemal und das Eis war schnell gebrochen. Um die erste Stunde etwas locker zu gestalten und noch etwas Zeit rum zu bekommen, spielten wir zu den meisten Richtungen ein jeweiliges deutschsprachiges Beispiel an und ließen es von unseren Studentinnen zuordnen. Ein bisschen Gehalt sollte natürlich dennoch gegeben sein, also machten wir anschließend einen kurzen Ausflug in die europäische Musikgeschichte, vom Mittelalter über Romantik und Wiener Klassik bis hin zur Moderne: zeitliche Einordnung, Komponisten, Instrumente. Als Abschluss und um endlich einen richtigen Sprechanlass zu schaffen, mussten uns die Mädels von einer Veranstaltung mit Live-Musik (egal, ob Konzert, Ballett oder Oper etc.), das sie besucht hatten, berichten. Schluss. Geschafft.

Der Nachmittag verlief ruhig. Obwohl es noch nicht lang her ist, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, was wir noch gemacht haben. Gelesen vermutlich, und gestrickt! Ich habe mich das erste mal am Fingerstricken probiert und bin ganz zufrieden. Zum Handstricken war die Wolle zu dünn, zum richtigen Stricken hatte ich keine Lust. 3 Stunden später hielt ich meinen ersten Schal in den Händen, okay, er muss noch ein bisschen bearbeitet werden, aber im Allgemeinen bin ich zufrieden mit dem Ergebnis. Ja, das war es auch schon. Da bin ich ja heute richtig zeitig fertig. Natürlich war das auch mein Ziel, wie gesagt, ich bin müde! Anna müde, Anna MUSS schlafen! Gute Nacht schon mal und liebe Grüße in die Heimat, fühlt euch umarmt und пока

eure Anna.

27.11.14 16:45, kommentieren

Hallöchen ihr Lieben, wie versprochen soll es heute weitergehen. Tatsächlich habe ich mich aber immer noch nicht entschieden, worüber ich nun schreiben möchte. Die Zeit mit Niko liegt nun schon wieder etwas zurück und verschwimmt, zumindest in ihren Einzelheiten, während mir das letzte Wochenende noch sehr lebendig im Kopf herumschwirrt. Mal schauen, wo es mich beim schreiben so hintreibt...

Okay, ich habe Lust auf aktuelle Geschehnisse. Am Sonntag sollte der letzte Tag (schon! Die Zeit fliegt...) unserer Mongolen-Mädels sein, deswegen entschlossen Jana und ich zum Abschied zu backen und den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Sorgfältig und überlegt, wie wir Deutschen ja nun mal so sind, haben wir also für Freitag einen Probe-Back-Gang eingelegt. Ist ja immer etwas anders mit verschiedenen Zutaten und unterschiedlichen Küchengeräten, da ist das gar nicht so eine schlechte Idee! Nach der Uni waren wir also einkaufen, alles was man eben so braucht für einen Propheten-Kuchen. Ja, der sollte es werden, nicht so viele Zutaten nötig, schnell und einfach zubereitet und passend zum Land mit Vodka Gesagt, getan. Wir hatten bereits am Donnerstag Backpapier und einen Schneebesen besorgt – gut mitgedacht, wie immer, denn sowas gibt es hier nicht als Standardausstattung. Also trafen wir uns am Nachmittag in der Küche, an die wir uns sogar so langsam gewöhnten, und begannen zu backen. Also ich habe gebacken und Jana in der Zwischenzeit für uns gekocht: Nudeln und rote Soße, super lecker. Ich hab mir fast einen abgebrochen mit diesem blöden Teig, das kann ich euch sagen! Der wollte einfach nicht so werden wie in Deutschland! Aber es nutzt ja alles nichts, rein in den Ofen und das Beste hoffen. Wie durch ein Wunder war der Kuchen letztlich auch gar nicht so schlecht und damit sollte der Grundstein für die ersten wirklichen Annäherungsversuche mit unseren „Mitbewohnern“. Aber dazu später mehr.

Nach dem erfrischenden Mittagessen, dem erfolgreichen backen und ebenso erfolgreichen Kuchen verputzen (fast das gesamte Blech, bis auf 2 Stücke) entschieden wir ins Kino zu gehen. Eigentlich war das eh der Plan gewesen, doch da Valentina uns eigentlich begleiten wollte und keine Zeit hatte, hatten wir uns für Samstag entschieden. So böse nun doch ohne sie zu gehen, waren wir nicht, keine Angst. Lust auf Kino hatten wir dennoch und bei den Preisen – ich habs ja schon erwähnt – lohnt es sich auch wirklich! Außerdem war es DIE Chance Jana in einen Liebesfilm zu bekommen, vielleicht die einzige und die musste ja schließlich genutzt werden. „Love, Rosie“ (Für immer vielleicht) sollte es also sein. - Ich muss dazu sagen, ich hatte die Vorschau noch in Deutschland das erste Mal gesehen und war schon mega traurig den Film zu verpassen, aber HEY... so geht’s auch – und wie schön es war! Ich fand ihn wirklich schön. Klar, ich bin eben für solche Filme zu haben. Aber er war nicht zu kitschig und sogar Jana hat er gefallen. Und ich mag das Happy End. (Ich lasse besser unerwähnt, dass mir sogar eine kleine Träne über die Wange kullerte, oder?!) Schön.

Zurück im Wohnheim – es war schon fast um neun, als wir ankamen, und damit verdammt spät für unsere Verhältnisse nicht mit schlafen, aber mit „Heim kommen“ - fand ich in meinem Zimmer das Blech mit den verbliebenen Kuchenstücken. Mir war schlecht! Völlig übersüßt! Jana ging es ebenso. Was also tuen? Ich ging in die Küche und bot den Kuchen den beiden Mädels, die dort saßen, an. Das wars. So einfach kann das gehen. Warum habe ich nicht vorher schon gebacken? Die Muffins bringen mich hier her, der Kuchen lässt uns ins Gespräch kommen. Un die Moral von der Geschicht: ohne Kuchen quatscht sichs nicht. (Oder so ähnlich xD) Jedenfalls fördert Gebäck offensichtlich die Kommunikation, denn das erste Mal kamen wir wirklich ungezwungen in ein Gespräch und verquatschten uns. Sogar Jana bekam es in ihrem Zimmer mit und kam vorbei. Also saßen wir in der Küche, die zwei Chinesinnen – eine von ihnen war an diesem Tag erst angekommen – und wir, und wir quatschten und sie aßen den Kuchen und waren begeistert. Jana holte den restlichen Vodka (der, der vom backen übrig war wohlbemerkt!) und wir tranken. Es war ein lustiger Abend, auch Xsjuscha kam irgendwann dazu – wir hatten sie bereits seit fast vier Wochen nicht gesehen, da sie „krank“ war; eigentlich schwänzte sie aber nur den Russischkurs und wartete, dass ihre Freundin endlich ankommen würde, und die saß ja jetzt endlich mit uns am Tisch, Dascha. Natürlich war Dascha von der Reise erschöpft, weswegen der Abend nicht ewig ging, aber wir fragten sie, ob sie uns am Samstag ins Kino (wie gesagt, wir wollten ja mit Valentina gehen und unser versprechen halten!) kommen wollten. Natürlich wollten sie.

Jana und ich ließen den Abend in Ruhe ausklingen, bei ein bisschen Wein, dem restlichen Vodka, guter Musik und... beim Friseur spielen xD. Ja, Jana hat ihre Fähigkeiten an mir ausprobiert die schönsten Zöpfe zu flechten. An ihr ist wahrlich ein Friseur verloren gegangen Für den nächsten Tag stellten wir einen straffen Plan auf, weswegen wir den Abend, so schön er auch war, doch zeitnah beendeten: einkaufen gehen (inzwischen hatten wir entschieden neben dem Propheten-Kuchen auch noch Bratäpfel und Glühwein anzubieten), duschen und frisieren (ich erwähne das, weil Jana sich meiner Haare annehmen wollte, ein Unterfangen, welches ich durchaus mit Wohlwollen aufgenommen hatte), gemeinsam etwas essen gehen, Kino und anschließend in den Club! Das klingt doch nach einem super Plan! Natürlich – wir sind in Russland – Pläne sind eindeutig da, um umgeschmissen zu werden. Alles kam anders.

Ausschlafen! Ja, wenigstens das hat ganz gut geklappt. Aber ab da ging es „schief“. Anstatt einkaufen zu gehen und uns hübsch zu machen... saßen wir in unseren Zimmern, wir lasen und GANZ WICHTIG: wir buchten Flüge! Für Jana. Nach Sankt Petersburg. Und für uns beide. Nach Moskau. Super, ich freu mich! Dem Januar-Abenteuer in diesen beiden Metropolen steht nichts mehr im Weg. Das wird super. So viel also dazu, aber mehr hatten wir eben dennoch nicht geschafft. Dann klopfte es an die Tür, Dascha stand – im Schlafanzug (es war inzwischen halb vier) – und fragte, wann wir loswollten. Viertel fünf, da wir noch essen wollten. Sie würden sich uns auch dabei anschließen, super. Also machten wir uns eine dreiviertel Stunde später auf den Weg ins Einkaufszentrum, mit der Straßenbahn, weil es furchtbar windig und damit ziemlich eklig war. Unterwegs war in mir der Gedanke gereift die Mädels ins Kino einzuladen. Ich weiß auch nicht, ich zeige manchmal diese – auch typisch russische – Anwandlung. Und mal ganz ehrlich: 20Euro für 5 Kinokarten (abends kosten sie – oh Schreck – anstatt 3 ganze 4Euro) ist halt wirklich ein Witz, dafür geht man in Deutschland zu zweit ins Kino. Das konnte man wohl durchaus einmal machen. Als ich am Schalter das Geld zückte, gab es erstmal lauthals Proteste. Keine Widerrede! So wird’s gemacht.

Dafür wurde ich dann natürlich, wie sollte es anders sein, zum Essen eingeladen. Einen – erstaunlich leckeren – Wrap mit Gemüse und Hühnchen und als Dessert einen Blin. Toll. Glücklich. Muss ich mir merken, war wirklich köstlich. Nach dem Essen hatten wir zum Glück noch ein wenig Zeit bis zum Filmbeginn also schlenderten wir noch einmal durch den Supermarkt, um uns mit Snacks und Getränken einzudecken. Jana und ich haben einen neuerlichen Lolli-Tick entwickelte. M&M´s sind auch nicht schlecht... uns auf ging es ins Kino. Da nach dem Film ja bekanntlich vor dem Film ist, hatten wir noch knapp zwei Stunden schon wieder HUNGER :D Aber der Abend war ja schließlich noch jung, also beschlossen wir (eigentlich Jana und ich, den China-Mädels wars „egal“) in unser Lieblingscafé/Restaurant/Bar zu gehen, ins Schokolatte :D Wie wir darauf gekommen sind erfahrt ihr übrigens, wenn ich endlich von Nikos Urlaub hier berichte, nur keine Eile. Jedenfalls gibt’s dort echt lecker Sushi, ein paar nette Cocktails und eine MEGA KUCHENTHEKE... (Fotos folgen und dann bloß kein Neid!) Anstatt uns allerdings durch das Sushi zu futtern, wie sonst, gab es vor allem Leckereien (unsere Chinesinnen stehen da offensichtlich drauf). Okay, der Club-Besuch würde ganz sicher ausfallen. Ich habe es, glaube ich, noch nicht erwähnt, aber das Wohnheim schließt um 23Uhr und es war inzwischen bereits kurz vor zehn, niemand hatte eine Verspätung an der Wache angemeldet, also blieb uns nichts anderes übrig langsam den Rückweg anzutreten.

Der Plan war wieder mal gut: mit dem Bus fahren! Blöderweise fuhren scheinbar keine Busse mehr um diese Uhrzeit! Mist. Also doch laufen, zum Glück hatte sich der Wind inzwischen etwas gelegt und so schlenderten wir in aller Ruhe nach Hause, wo wir wohlbehalten und leicht unterkühlt nach etwa einer halben Stunde ankamen. Nun aber schnell, ab ins Bett! Morgen haben wir viel vor. Kommt euch bekannt vor? Lol, mir auch. Glücklicherweise fiel uns noch rechtzeitig ein, dass wir die, um die es ja gehen sollte – ihr erinnert euch, der erwähnte Abschiedsabend unserer Mongolen-Mädels – noch gar nicht eingeladen bzw. informiert hatten. Schnell kritzelte ich eine kurze Nachricht über unser Vorhaben auf einen Zettel und brachte ihn in die Küche. Dort saß Sascha ganz einsam und wartete auf sein Teewasser. Natürlich lud ich ihn auch ein, die China-Mädels hatten schließlich auch schon zugesagt, wir wollen ja niemanden ausschließen, erst recht nicht unseren Hahn im Korb

Schlafen konnte ich gut, ausschlafen war – wie eigentlich jedes Wochenende – der Plan (hab ich erwähnt, dass planen hier einfach nichts bringt? SINNLOS), aber der wurde natürlich durchkreuzt. Unsanft wurden wir 7Uhr aus dem Schlaf gerissen als 9 „neue“ Mongolen anreisten. Ist ja alles kein Problem, blöd nur, wenn sie einfach nicht zur Ruhe kommen. Mit schlechter Laune aufzustehen ist wirklich unratsam, und ich hatte WIRKLICH SCHLECHTE Laune! Sie haben es geschafft 3h lang die Dusche zu blockieren und bis um 11 zu lärmen. Ätzend. Richtig nervig. Jana ging es genau wie mir. Was das Fass zum überlaufen brachte? Als plötzlich ein bestimmt 50-jähriger Mann OHNE Anklopfen in meinem Zimmer stand, mich dumm anschaute, ohne etwas zu sagen verschwand und auch noch meine Tür offen stehen ließ. Hallo? Wo gibt es denn bitte so etwas? Schon mal was von Anstand und Höflichkeit gehört? Arschloch!

Auch wenn das doof ist, jetzt erstmal aufzuhören, aber ich hab grad auf die Uhr geschaut … irgendwie ist es schon um eins. Hab ich erwähnt, dass die Zeit zu fliegen scheint? Ich werde jetzt schlafen gehen. Ist ja auch schon lang genug der Text. Morgen dann die Fortsetzung. Mit weniger schlechter Laune. Krass, wie man sich da reinsteigern kann, wenn man wieder so drüber nachdenkt :D Also, Freunde, ganz lieb und ernst gemeint: gute Nacht, einen schönen Abend euch noch und пока.

Eure Anna

26.11.14 20:12, kommentieren

Da bin ich wieder und wie versprochen: hier folgt ein Überblick über meine „einsamen“ zwei Wochen in Bijsk, so ganz ohne Jana... aber dafür mit einer wunderbaren Geste ihrerseits! Es war Freitagabend und Jana würde jede Minute zum Bahnhof aufbrechen, um mit dem Zug nach Novosibirsk, und damit zu Niko, zu fahren! Das Ticket hatten wir bereits einige Tage zuvor am Bahnhof erstanden und dabei den ersten wirklich brauchbaren Souvenirladen entdeckt, allerdings war er geschlossen und Postkarten gab es auch keine (es war im Prinzip nur ein gläserner Stand, man konnte also von außen das gesamte Angebot überblicken). Jetzt jedenfalls hatte ich mich entschieden, Jana zum Bahnhof zu begleiten. Die Aufregung war bereits groß, doch nicht etwa wegen der Reise an sich, NEIN, Jana hatte ihren Reisepass noch nicht zurück und den brauchte sie für die Reise! Unsere liebe Valja hatte sich am Vormittag auf den Weg nach Barnaul gemacht, um sich um unsere Visaverlängerung zu kümmern... und sie war immer noch nicht zurück. Nun hatte sie vorgeschlagen, sich am Bahnhof zu treffen und dort den Pass zu überreichen, also Spannung bis zur letzten Minute! Freundlicherweise hatte ich Herr Zajakin bereit erklärt uns zum Bahnhof zu fahren, seine Frau würde den selben Zug wie Jana nehmen, wie praktisch. Der Abschied war nicht sonderlich emotional, sollte ja auch nur für zwei Wochen sein und Valentina war auch pünktlich am Bahnhof und wartete schon mit den Pässen auf uns als wir ankamen (meinen bekam ich auch gleich wieder). Letztlich fuhr Herr Zajakin erst Valentina, dann mich, nach Hause... bei jedem einzelnen riesigen Schlagloch, welches wir unsanft durchfuhren, kam mir unwillkürlich Pauls gequälter Gesichtsausdruck in den Kopf – das hier wäre der Hass für ihn! Aber in Russland stört es niemanden! Es gehört zum Alltag, wie in Deutschland der Flaschenpfand. Andere Länder, andere Sitten.

Schon kommen wir also zu Janas netter Geste, sie hatte mir ihren Zimmerschlüssel überlassen (schließlich stand der Kühlschrank ja bei ihr im Zimmer) und ihren Computer nicht mit auf Reisen nehmen wollen, also hatte ich freie Verfügungsgewalt. WOW! Endlich... *lacht mich jetzt bloss nicht aus* konnte ich die neuen Folgen von Greys Anatomy schauen, die gerade in Deutschland angelaufen waren! Ja, ich bin süchtig. Und – ganz ehrlich – die kommenden zwei Wochen entwickelten sich zu einem regelrechten Serien- und Filmmarathon! Als allererstes natürlich die gesamte neue Staffel von Greys, dann noch einmal die Finalstaffel von HIMYM, die aktuellen Folgen von Big Bang und sogar Doktor Who habe ich begonnen zu schauen. Dazu kamen sämtliche Harry Potter Filme auf Englisch, die Fluch der Karibik Reihe und RED 1 und 2 (um nur mal eine Auswahl zu nennen)... Fragt euch also bitte nicht, wenn der Text, obwohl er ganze zwei Wochen umfasst, gar nicht so lang wird! Ich war ein bisschen neben der Spur und Janas Computer mein neuer bester Freund!

Das Jana weg war, bemerkte ich besonders schmerzlich bei meinem ersten Toilettenbesuch ^^ die Lampe im Bad (ohne Fenster!) funktionierte nicht, weswegen wir immer eine Taschenlampe an der Tür hängen hatten, um wenigstens ein bisschen was zu sehen. Eben diese Taschenlampe war nun aber verschwunden, oh Schreck! Eine kleine Vorwarnung wäre wirklich ganz nett gewesen, liebe Jana !

Ich ging natürlich (fast) immer – einmal habe ich geschwänzt, aber mir war auch wirklich nicht so gut – zur Uni. Es war schon merkwürdig zwischen all den Chinesen und Mongolen und meine Lieblings-Gesprächspartnerin (innerhalb und außerhalb der Stunde) fehlte. Ich kann mich auch kaum erinnern, was wir eigentlich in Russisch gemacht haben die ganze Zeit. Der Unterricht ist insgesamt wirklich nicht soooo hilfreich, die „wirkliche“ Kommunikation außerhalb der Uni sind wichtig und nützlich für uns! Natürlich besuchte ich weiter den Deutschunterricht und wurde gleich in den nächsten Kurs eingeladen, auch im ersten Studienjahr, zu ein paar Psychologiestudentinnen, die nebenher Deutsch studieren (warum, weiß ich eigentlich auch nicht so genau?!). Die waren wieder alle ziemlich begeistert und wirklich fragewütig, als ich mich ihnen vorstellte und um Fragen bat. Wir haben fast die Hälfte der Stunde einfach verquatscht und es war wirklich erfrischend, dass sie so interessiert waren – von den anderen Kursen ist man bei der Frage nach Fragen eher gesenkte Blicke und gelegentliches Kopfschütteln gewohnt. Bloss keine Fragen stellen!).

Ganz begeistert luden die Mädels mich schließlich zu einem kleinen Fest ein, ihre Begrüßungsparty an der Uni sozusagen... das Pendant zur feierlichen Immatrikulation, nur eben nicht offiziell und von den Studenten selbst gestaltet. Richtig witzig! Dankend nahm ich das Angebot an, einen Nachmittag unter Leuten verbringen klang doch ganz abwechslungsreich. Zufälligerweise sollte die Veranstaltung noch am gleichen Tag stattfinden, also fand ich mich am Nachmittag in der Aula ein und wie versprochen, hatten die Mädels für mich einen Platz in ihrer Mitte – und in der ersten Reihe! - freigehalten. (Als alle Neuen auf die Bühne mussten, um einen Schwur zu leisten, saß ich letztlich ganz allein in der ersten Reihe... schon ein wenig peinlich.) Das Programm war kunterbunt. Gesang und Tanz, einige Dozenten sagten kurz einige Worte, Videoaufnahmen von der „Sommerschule“ wurden eingespielt und einige Sketche auf die Bühne gebracht. Den Witzen konnte ich leider nicht komplett folgen, aber sonst verstand ich verhältnismäßig viel, ein gutes Gefühl! Nach dem fast 1,5stünigen Programm fragten die Mädels ganz gespannt, ob es mir denn gefallen hätte und ob ich alles verstanden hätte. Natürlich hatte es mir gefallen, großartig und so ein krasser Kontrast zu Deutschland... und nein, ich hatte nicht alles verstanden, aber den Großteil! Strahlen. So leicht kann man die angehenden Psychologinnen also glücklich machen :D

Auf Kino oder große Shoppingtouren hatte ich allein keine Lust und auch für winterliche Wanderungen durch Bijsk fehlte mir die Motivation. Ja, immer wenn Jana unterwegs war, fing es an zu schneien. Das erste Mal also, als sie auf dem Weg zu Niko war und der Schnee blieb erstmal liegen. Wenn also schon draußen nicht aktiv werden, dann wenigstens drinnen, so lautete die neue Devise! Ein neues Projekt musste her und war schnell gefunden: einen eigenen russischen Grundwortschatz erstellen, an Hand des Buches, das Jana dabei hatte. Klingt vielleicht irre und übermotiviert, aber hey... wer will nicht mal ein „Wörterbuch“ (ich weiß, kein wirkliches Wörterbuch, aber immerhin über 180Seiten) lesen und die wichtigen Worte – natürlich handschriftlich – abschreiben?! Also machte ich mich, während im Hintergrund irgendeiner der oben genannten Filme lief, an die Arbeit. Ihr wisst gar nicht, wie viel man an einem ganzen Wochenende schaffen kann! 8 Filme, 2 Vokabelhefte, 100 Seiten Grundwortschatz! Aber HALLO Ich bin ja schon ein bisschen stolz. Und ganz im ernst: ich hatte BLASEN an den Fingern vom vielen schreiben! Richtig schmerzhaft, richtig eklig. Die ganzen Vokabeln dann auch noch lernen, war eigentlich mein Plan gewesen, aber aus der Formulierung dürft ihr schließen: daraus ist immer noch nichts geworden! Tschüss, Motivation!

In der Zwischenzeit hatte ich mich übrigens bei vk.com angemeldet – dem russischen Pendant zu Facebook – und eines Abend fragte mich Michael, ob wir nicht mal etwas zusammen unternehmen wollten. Klar, warum nicht, wieder ein Grund mal raus zu kommen. Wir verabredeten uns also für den folgenden Abend, eigentlich wollten wir nur ein Stück spazieren gehen, aber es hatte wieder mal geschneit und war fürchterlich kalt (dachte ich zu dem Zeitpunkt... heute waren übrigens -25°C, da war das vor ein paar Wochen ein Witz dagegen!) Schließlich entschieden wir uns dazu, in ein Café zu gehen.

Da ich mich ja in Bijsk noch nicht wirklich gut auskannte, holte er mich ab – mit dem Auto, ein Glück! - und fuhren also in ein Café. Endlich mal kein Mensaessen und auch nichts selbstgemachtes – da ich mich immer noch weigerte, die Küche zu betreten, lief „selbstgemacht“ zumeist auf Brot mit irgendwas oder Obst und Gemüse hinaus – sondern mal was „richtiges“. Warum ich mir ausgerechnet einen Salat bestellte... ich steh einfach auf den Cäsar Salat hier :D Dank der Unfähigkeit des Kellners – nichts für ungut, aber der war wirklich UNFÄHIG – waren wir ganze zwei Stunden unterwegs. Erst bekamen wir keine Karte, als Mika welche geholt hatte, kam einfach ewig niemand, um die Bestellung entgegen zu nehmen, das Essen dauerte natürlich auch und die Rechnung wollte man uns auch nach mehrmaligem Nachfragen einfach nicht bringen. So unterhielten wir uns – fast ohne peinliche Gesprächspausen – über dies und das, mal auf Russisch, aber überwiegend auf Deutsch. (Das hört sich im Nachhinein schon ein bisschen nach Date an, aber keine Angst, es war keins! Wirklich! Auch wenn der bezahlt hat, so macht man das eben in Russland! Das ist höflich. Und Widerworte werden einfach überhört. Der Mann zahlt. Punkt. Jedenfalls hat Michael eine Freundin und ich hab Paul und es lag auch kein bisschen Romantik oder so in der Luft, es war einfach nur ein nettes, manchmal peinliches (wegen Missverständnissen und Sprachschwierigkeiten) Gespräch zwischen zwei Menschen.) Nett und höflich, wie der russische junge Mann nun mal ist, fuhr Mika mich auch zurück zum Wohnheim... und ich schwöre euch: zum Glück erzählte er mir erst jetzt, dass er noch KEINE Winterreifen aufgezogen hatte. Ich wäre niemals in sein Auto gestiegen, hätte ich das eher geahnt. Echt nicht böse gemeint, ich habe ja schon erwähnt, er kann Auto fahren, aber Sicherheit geht eben vor. Und es war wirklich schon glatt draußen, kein Vergleich zu jetzt, aber eben glatt!

Ja, eigentlich war es das auch schon – langweilig, ich weiß – Uni, Filme gucken (ich kenne mich mit streamen jetzt schon fast aus xD), einen Grundwortschatz abschreiben/ erstellen und ein paar nette Veranstaltungen außerhalb der Uni... so habe ich die zwei Wochen verbracht. Mehr war nicht, bzw. an mehr kann ich mich gerade nicht erinnern, aber mehr war auch nicht nötig. Vom letzten Wochenende schaffe ich es leider heute nicht mehr zu erzählen. Es ist gerade Mitternacht und ich muss unbedingt noch ein paar Seiten lesen! Gone Girl, hatte ich das schon erwähnt? Ich habe mir inzwischen das Buch zum Film besorgt, um alles ein bisschen besser verstehen zu können. Es ist absurd, obwohl ich den Film und damit ja das Ende kenne, bin ich mega gespannt, wie es weitergeht. Also freut euch schon mal auf morgen, auch wenn ich noch nicht sicher bin, ob ich von der Zeit, die Niko hier verbracht hat, oder eben vom letzten Super-Wochenende schreiben werde... lasst euch überraschen! Einen wunderschönen Abend noch und gute Nacht.

Fühlt euch wie immer ganz lieb gedrückt und пока,
eure Anna

25.11.14 19:08, kommentieren